Sonntag, 3. September 2017

Sonntagsfährtchen...

Der Sommer 2017 habe sich letzte Woche verabschiedet, sagt man. Gerne habe ich ihm die Tür geöffnet und bin auch sofort zur Seite getreten, um ihm nicht im Wege zu stehen. Taschentücher waren ebenfalls nicht nötig. Nicht dass ich etwas gegen den Sommer im Allgemeinen hätte, ganz und gar nicht. Der letztjährige war super, mal abgesehen vom Juni. Aber der Sauna-Sommer 2017 mit seinem ständigen Wechsel zwischen unerträglicher Schwüle und Sintflut? Nein, den werde ich genauso wenig vermissen wie die Sommergrippe, die ich Mitte Juli eingefangen habe. Heute ist definitiv ein frühherbstlicher Tag...
 
Keine Meisterleistung soll es geben, zirka 60 bis 65 Kilometer schweben mir vor. Und so mache ich mich auf zu einer Tour mit dem häufigsten Ziel: unbekannt. Es kommt, wie es kommen muss: Nach zahlreichen Ja-, Nein-, Doch-Entscheiden fahre ich durch die Klus nach Balsthal. Hier entscheide ich mich eher vage für eine Auffahrt zum Vorderen Brandberg mit anschliessendem Downhill auf dem längsten Singletrail im Thal, dem "Cici-Way". Dazu soll es jetzt erstmal nach Matzendorf gehen, dann wahrscheinlich weiter Richtung Grossrieden und Herbetswiler Allmend. Tief in Gedanken versunken setze ich meine Fahrt fort...
 
Matzendorf sieht heute irgendwie anders aus als sonst. Das liegt aber eindeutig daran, dass ich aus Versehen zu früh rechts abgebogen bin und mich daher in Laupersdorf befinde. Kein Beinbruch, lässt sich korrigieren. Aber es zeigt, was passieren kann, wenn der Autopilot versagt. Einst plante ich eine Tour Richtung Solothurn und fragte mich in Niederbipp, wohin ich jetzt eigentlich wollte. Heute komme ich aber früher wieder zur Gesinnung und strample zu Beginn steil hinauf Richtung Grossrieden. Wenig später verwerfe ich den spontanen Gedanken, die Tannmatt zu erklimmen und pedaliere dann doch zum Vorderen Brandberg...

Blick Richtung Balsthal vom Vorderen Brandberg aus
Vorderer Brandberg
Vorderer Brandberg auf 1060 m
Schöner Weg
Singletrail im Cholholz ob Welschenrohr
Trail nach Welschenrohr
 
Der praktisch waldlose Aufstieg ist zwar nicht steil, aber irgendwie liegt er mir nicht. Immer wieder ziehe ich hier Tiefs ein. Heute aber geht es recht flott, nicht zuletzt dank anständiger Temperatur und dem Schatten, den mir ein paar Wolken zeitweise spendieren. Auf rund 1060 m biege ich ins "Erdbeerwägli" ein, das der Einstieg in einen rund 3,5 Kilometer langen Singletrail ist. Auf 975 m halte ich kurz inne, disponiere um und fahre Richtung Wolfsschlucht. Auf einem weiteren Singletrail fahre ich hinab nach Welschenrohr. Ich will noch schnell zur Röti. Weissenstein und Sonntag – eigentlich eine schlechte Kombination...
 
Doch es ist bereits 18.00 Uhr geworden, die Gondelbahn hat die letzte Fahrt hinter sich. Allzu viel sollte dort oben nicht mehr los sein. Etwa eine Stunde später stehe ich auf der Röti auf knapp 1400 m und mache Turnübungen. Diese sind nötig, denn bei knapp 7 Grad fühlt es sich in kurzer Montur und bei Wind recht ungewohnt an. Ich bin alleine. Nur ein paar Wolkenfelder, die aus Westen aufgezogen sind, leisten mir Gesellschaft. Die Fernsicht ist heute nicht ganz so überragend wie erhofft, der Schatten zudem weit nach Osten gezogen und die Zeit fortgeschritten...

Langer Schatten und Gipfelkreuz auf der Röti
Das Kreuz auf der Röti
Ungewohnte Temperatur in Sommerkleidung
Knappe 7 Grad
Blick Richtung Langenthal und Olten
Röti auf 1396 m
 
Bald mache ich mich auf den einsamen Abstieg zum Balmberg und hinunter an die Aare. Keine grossen Experimente mehr für heute, die Dämmerung hat eingesetzt. An einem Waldrand bei Deitingen spiele ich noch mit zwei Rehen das Spiel "Zeitunglesen". Die Tiere grasen etwa 50 Meter von mir entfernt und schauen immer wieder in meine Richtung. Ich darf mich nicht bewegen, sonst habe ich verloren bzw. die Tiere verscheucht, was ich nicht will. Zum Glück ziehen sie nach einigen Minuten weiter, und ich kann die Fahrt fortsetzen. Fast 80 Kilometer ist meine Tour am Ende geworden. Recht viel für ein Sonntagsfährtchen...
 
 
Höhenprofil
 
 
 
Tourdaten: Weite 79,0 km / Höhe 1790 m / Fahrzeit 4:47 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Vorderer Brandberg / Röti
 

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