Samstag, 15. Juli 2017

Alles flüssig gelaufen...

Ich liebe den Sommer. Ein normaler Sommer bringt Tageshöchstwerte von rund 25 Grad. Und von mir aus dürfte er sich gerne strikt daran halten. Doch heuer weicht er wieder stark nach oben ab. Heute sind wir exakt in der Mitte der wärmsten Jahreszeit angelangt. Und es soll für einmal ein nicht allzu heisser Tag werden. Also genau richtig, um sich nach einer strengen Arbeitswoche wieder mal aufs Bike zu setzen. Nächste Woche droht ja bereits die nächste Backofenphase dieses Sommers. Viele Leute sind bereits in den Süden gereist. Was will man hier bei 33 Grad schlottern, wenn man in Spanien bis 47 Grad haben kann?
 
Um etwa 08.45 Uhr starte ich gen Westen. Der Stadt Solothurn komme ich heute etwas näher als auch schon. Bei Langendorf verlasse ich meine Standardlinie endgültig und fahre etwas südlicher als gewohnt Richtung Selzach. Schon erstaunlich: Nur ein paar Hundert Meter weiter unten, und schon ist alles unbekannt. Sogar einen kleinen Weiher gibt es hier, den ich nicht kenne, obwohl ich einige Meter weiter oben mit sämtlichen Schnecken per Du bin. Dass ich das Dorf Selzach ganz im Norden streife, hat den Zweck, mal wieder eine zusammenhängende Steigung von über 800 Höhenmetern zu fahren. Genau das kann man hier...
 
Meine erste Idee, die Stadt Solothurn nach vielen Jahren wieder mal zu durchfahren und dann von der Aare her den Berg zu erklimmen, habe ich verworfen. Das Risiko, in der Stadt von einem Kopfhörer tragenden Velofahrer verletzt oder gar getötet zu werden, ist mir schlicht zu hoch. Bei Selzach auf 477 m beginnt nun die durchgehende Steigung, die erst auf 1292 m, kurz vor dem Althüsli, durch eine kurze Gegensteigung unterbrochen wird. Ich fühle mich wohl im Aufstieg. Es ist, als könnte ich noch ewig so hochfahren. Postkartenwetter hat es heute nicht, die Wolken sind dicht. Aber gerade das macht den Aufstieg für mich angenehm...

Weiher zwischen Bellach und Selzach
Weiher oberhalb von Bellach
Sonnenblumenfeld bei Selzach
Kurz vor Selzach
Althüsli, 1318 m
Am höchsten Punkt der Tour...

Vom Althüsli auf 1318 m geht es zunächst auf einem sauberen Naturweg, dann auf einem bachbettartigen Karrweg abwärts, der auf 1066 m unauffällig die Kantons- und Sprachgrenze überquert. Ein stark ausgewaschener Singletrail führt jetzt in eine Schlucht hinab. Es folgt ein weiterer, auf der Karte nicht markierter Singletrail, kurz darauf ist die Binzbergstrasse unterhalb des Hofes Guibou erreicht. Kurz etwas Teer, schon geht es hoch zum Graitery, einem kaum bekannten Berg. Obwohl für mich das Gebiet zwischen Graitery und Oberdörferberg als bikemässiges "Nullgebiet" gilt, bin ich gerne alle paar Jahre mal hier…
 
Der "Sommet" des Graitery auf 1280 m liegt unspektakulär auf einer leicht ansteigenden Wiese ohne Aussicht. Ein Weg ist dort nicht wirklich. Eher sind es Traktor- und Tierspuren. Im Anschluss fahre ich über eine Wiese, wo eigentlich wieder ein Wanderweg sein sollte. Nur wo? Mit Distanz folge ich zwei Wanderern, die wohl auch auf Wegsuche sind, mitten durch die Prärie. Plötzlich kommt weiter unten ein Bauer in mein Blickfeld – und ich in seins. An ihm muss ich vorbei. Meine Sorge, in Kürze ein paar neue französische Wörter zu lernen, zerschlagen sich aber. Er sagt nur ein mir bekanntes Wort: bonjour. Und das sehr freundlich...
 
Jetzt noch wenige Meter, und ich erreiche ein Naturfreundehaus. Hier müsste sich der Blick auf Moutier öffnen. Bei der Hütte sitzen etwa acht Leute an einem Tisch. Zwei davon telefonieren. Ich werfe ihnen eines der drei Wörter meines französischen Wortschatzes entgegen: bonjour. Das Oktett erwidert meinen Gruss freundlich mit dem gleichen Wort. Fast wie ein Chor tönt es aus acht Mündern. Sogar die beiden Telefonierenden unterbrechen ihr Gespräch rasch, um mich zu begrüssen. Erfahrungsgemäss hätte es in der Deutschschweiz bei dieser Konstellation maximal für ein Quartett gereicht...
 
Die Mentalität ist im frankophonen Teil unseres Landes einfach anders. Nach meiner bisherigen Erfahrung erfrischend anders. Vielleicht waren es ja auch Béliers, die seit dem 18. Juni 2017 immer noch in Feierlaune sind. Denn da unten kommt sie ins Bild: Moutier – die Stadt mit 51 Prozent überglücklichen Einwohnern. Die Schafböcke haben nach langer Zwängerei, pardon nach langem Kampf gegen die Wildschweine obsiegt. Und so JU-beln die einen, während die anderen zutiefst BE-trübt sind. Nun sei die Jurafrage endgültig geklärt, sagt der Kanton Bern. Ganz sicher. Und die Erde ist eine Scheibe, oder?

Kurz vor der Sprachgrenze...
Weg bei Schwelli
Ausblick beim Naturfreundehaus Graitery
Blick auf Moutier vom Graitery
Restaurant? Das war mal...
(L'Ancien) Restaurant du Graitery
 
Nach kurzem Aufenthalt beim Naturfreundehaus geht es am "Restaurant du Graitery" vorbei. Es zeigt sich, dass da längst nicht mehr drin ist, was draufsteht. Die besten Zeiten des Hauses sind sichtlich passé. Auf Wegen unterschiedlicher Beschaffung fahre ich runter und rüber zum Binzberg, der wieder im Solothurnischen liegt. Meine Streckenführung über den Graitery sieht auf der GPS-Aufzeichnung aus wie die Flugroute einer Stubenfliege. Nach einer kurzen Pause wartet noch der Weissenstein. Dort oben ist überraschend wenig los an diesem Samstag. Ferienzeit eben. Ich bike runter zum Balmberg und ganz runter an die Aare...
 
Bei der Fahrt der Aare entlang Richtung Deitingen verspüre ich einen Stich im rechten Oberschenkel, der definitiv von etwas Grösserem als einer Bremse stammen muss. Als Bienenallergiker sollte ich da dringend mal nachschauen. Einen Stachel kann ich in der Wunde nicht erkennen. Dennoch nehme ich sicherheitshalber das Mittel gegen die Allergie ein, auch wenn dieses in unangenehmer Weise abführend wirken kann. Aber lieber das, als dass ich selbst abgeführt werde. Nach rund 92 Kilometern ist die Tour dann ohne weitere Zwischenfälle zu Ende. Es lief alles flüssig. Wirklich alles...
 
 
Höhenprofil
 
 
 
Tourdaten: Weite 92,3 km / Höhe 2440 m / Fahrzeit 6:22 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Graitery
 

Dienstag, 4. Juli 2017

Im Auge des Hurrikans...

Aktuell läuft im Berufsleben sehr viel. Ich mag das, solange der Ausgleich, sprich das Biken, noch gewährleistet ist. Aber das ist es gerade nur bedingt. Letztes Jahr hatte ich im Juli Ferien, heuer tobt im Geschäft wieder der Halbjahres-Hurrikan, der noch bis mindestens zur dritten Julidekade anhalten wird. Momentan muss ich aber auf Daten warten, komme nicht weiter. Es ist das berühmte Auge des Hurrikans, und da ist ja bekanntlich kurzzeitig alles ruhig. Auch die unsägliche Hitze von Ende Juni befindet sich scheinbar auf kurzer Geschäftsreise im Süden, wo sie eigentlich hingehört, wird aber bereits morgen zurückkehren...
 
Diesen Tag muss ich also unbedingt packen. Danach wird es wieder abgehen – im Büro und bei der Temperatur. Eine Weite unter 100 Kilometern und eine Gesamthöhe unter 2000 Metern werden heute nicht akzeptiert. Sonst ist der Tag vor die Hunde geworfen. Und mit Hunden hatte ich auf der Tour am 1. Juli schon genug zu tun! Etwas nach 08.00 Uhr starte ich bei noch angenehmen 14 Grad. 27 sollen es am Nachmittag werden, so die Wetterfrösche. Dem Inkwilersee entlang geht es westwärts nach Deitingen, dann der Aare entlang und diese überquerend Richtung Riedholz...
 
Es folgt die mehr oder weniger standesgemässe Umfahrung Solothurns. Auch die restlichen Dörfer des Leberbergs werden nördlich umgangen. Dabei fahre ich auf einer Höhe von gut 600 m, bevor oberhalb von Selzach die Hauptsteigung zum Grenchenberg beginnt. Je steiler es wird, desto wohler beginne ich mich zu fühlen. Schliesslich erreiche ich das Wäsmeli auf gut 1100 m. Hier werden nochmals ein paar Höhenmeter vernichtet. Es folgt ein Forstweg und am Ende ein gut fahrbarer Singletrail, der sich auf der Hochebene des Grenchenbergs auf rund 1240 m zwischen Pferden und Kühen verliert...


Bei Lommiswil, Blick Richtung Bucheggberg
Ausblick ob Lommiswil
Pferde nahe der Sprachgrenze
Bilingue Pferde beim Grenchenberg
Unterwegs auf dem Montoz-Plateau
Montoz-Plateau auf gut 1200 m

Ein Kuhgatter führt unauffällig über die Kantons- und Sprachgrenze. Hier oben kommt man zwar mit "bonjour" und "guten Tag" in etwa gleich weit. Bilingue ist angesagt. Über die Montoz-Hochebene bike ich auf Naturwegen immer leicht auf und ab zur Montagne de Sorvilier. Jetzt geht es hinab ins Vallée de Tavannes, wo man sich mit "bonjour" endgültig besser schlägt als mit "guten Tag". Mir kommt zwar viel eher "merde" in den Sinn, als im Abstieg meine Vorderbremse zeitweise wieder zu streiken beginnt. Schon komisch, das passiert immer nur auf längeren Touren. Und zwar zu Beginn, damit man möglichst viel davon hat...

Ich passiere das Dorf Malleray, und schon geht es wieder aufwärts zum Moron. Die schmale Strasse ist anfangs geteert, ohne Schatten und teils recht steil. Einige Quellwolken zieren den Himmel. Aber keine käme auf die Idee, sich mal kurz vor die Sonne zu setzen. Zirka 23 Grad sind es jetzt, die an der Sonne zum gefühlten Zahlendreher werden. Und so ziehe ich eine Schweissspur hinter mir her und freue mich über all die stechenden Insekten, denen das gefällt. Bergab nerven die einen Bremsen, bergauf die anderen. Die Strasse verläuft im Mittelteil nicht mehr ganz nach Karte: Ich lande plötzlich in einer Kiesgrube...
 
Die Temperatur fällt mit zunehmender Höhe, und mein Wohlfühlfaktor steigt in gleichem Masse. Ich erreiche den Moron mit seinem markanten Aussichtsturm auf rund 1330 m, mache schnell ein paar Fotos und nehme dann den "offiziellen" Singletrail hinunter nach Champoz. Dieser hat für mich in der Mitte eine kurze nicht fahrbare Stelle, fägt aber ansonsten sehr. Und für etwas hat man ja noch eine Hinterbremse. Champoz ist ein kleines, aber feines Dorf mit schönem Ortsbild. Ideal für eine kurze Pause – die sich aber als kontraproduktiv herausstellen sollte...


Montagne de Sorvilier, 1250 m
Montoz, Montagne de Sorvilier
Auf dem Weg nach Malleray
Abfahrt ins Vallée de Tavannes
Moron-Turm, Werk des Mario Botta
Moron mit Aussichtsturm
 
Nach Champoz folgt ein längerer Singletrail dem Mont Girod entlang Richtung Court. Der Pfad führt anfangs leicht abwärts und ist völlig problemlos fahrbar. Später wird er eine Spur technischer mit kurzen Gegensteigungen. Irgendwo erwische ich einen falschen Trail und lande da, wo ich nicht hinwollte: in Court. Da muss ich jetzt durch, und zwar durchs ganze Dorf. Aber soweit ich mich erinnere, ist der erste Teil des Singletrails ohnehin der schönere. So what, wie man hier sagt. Ich bin im Moment ziemlich gekocht, stehe aber noch auf der falschen Seite des Bergs. Die berühmte Krise zwischen Kilometer 60 und 70...


Moron, 1330 m
Am höchsten Punkt des Moron
Les champs de Champoz...
Blick nach Champoz
Champoz, Dorfzentrum
Champoz

Ich fahre zum Binzberg, dem Pass zwischen Court und Gänsbrunnen, und bike dann hinauf Richtung Althüsli. Je mehr es topografisch aufwärts geht, desto mehr geht es auch mit der Fitness wieder aufwärts, ohne dass ich etwas dafür getan hätte. Beim Althüsli auf 1292 m nehme ich wieder mal den Trail hinunter nach Lommiswil. Genuss pur! Ich fahre da runter wie Crème, allerdings gebrannte. Aber trotz lädierter Bremse vergeht mir das Grinsen nicht, im Gegenteil. Auf knapp 700 m endet der Pfad. Ich fühle ich mich wieder fit, aber durstig. Und hungrig auf noch einen Trail. Diesen finde ich von der Martinsfluh nach Riedholz...


Zu Beginn des Court-Trails
Trail nach Court
Binzberg, Blick bis Balsthal
Binzberg, Blick ins Thal
Umfahrung Solothurn und Umgebung
Ob Lommiswil, Blick Richtung Solothurn

Später geht es der Aare entlang nach Deitingen. Hier zeigt mir der Körper mit einem rot leuchtenden Tankstellensymbol an, dass er jetzt unbedingt wieder etwas Flüssiges braucht. Daher lege ich noch einen ungeplanten Stopp bei der Autobahnraststätte Deitingen ein. Dort schaue ich auch mal schnell, wo ich überall Kratzer und Insektenstiche habe. Es kommt schon einiges zusammen. Irgendwo hat sich anscheinend ein Ästchen leicht in meinen rechten Arm gebohrt. Besonders lauschig ist es an der Raststätte nicht, daher steige ich bald wieder aufs Bike. Rasch springt der Kilometerzähler danach auf 100,0...

Im Moment ist ja Zeit der Zeugnisse. Mein Zeugnis für die heutige Tour: Weite: befriedigend; Gesamthöhe: deutlich übertroffen; Spassfaktor: deutlich übertroffen. Und hier mein Versuch, der zeitweise streikenden Vorderbremse auch noch etwas Positives abzugewinnen: Dank der langsamen Abfahrten war ich etwas länger unterwegs und hatte deshalb mehr vom Tag. In diesem Sinne: Fahrzeit: ebenfalls deutlich übertroffen...


Höhenprofil

 
 
Tourdaten: Weite 108,8 km / Höhe 3000 m / Fahrzeit 8:01 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Tour de Moron
 

Samstag, 1. Juli 2017

Viel zu verdauen...

Im Juni 2017 habe ich insgesamt nur gerade sechs Berliner verzehrt. Nur leider alle gestern Abend an einer geschäftlichen Veranstaltung nahe Wynau. Die Arbeitswelt hat mich nach den Ferien wieder – und wie. Immerhin konnte ich den gestrigen Anlass zum Anlass nehmen, die Anreise mit einer kurzen Biketour zu verbinden. Dabei durfte ich einem Arbeitskollegen, der mich begleitete, meine Kunst der Desorientierung etwas näherbringen. Es ist immer schön, wenn man jemandem etwas weitergeben kann. Dass ich die Kunst der Irrfahrt nahezu perfektioniert habe, werde ich auch heute merken...
 
"Auf Trailsuche im Oberaargau" könnte der Titel dieser Kurztour auch lauten. Über den Dornegggütsch geht es zuerst nach Madiswil. Ein "inoffizieller", sprich auf der Landeskarte nicht markierter Singletrail führt oberhalb des Dorfes um den Hunzen herum Richtung Rohrbachberg. Nach dem gut einen Kilometer langen Pfad wechselt der Belag kurz von Natur auf Asphalt, bevor es einige Meter steil eine Wiese hinaufgeht. Vor dem Rohrbachberg springen plötzlich zwei kläffende Hunde und ein Bauer auf mich zu. Letzterer zum Glück zuhinterst und nicht vorab. Ein mulmiges Gefühl, wenn so zwei Köter auf einen zukommen...
 
Der Bauer ist aber sehr freundlich, bringt mit etwas Mühe die beiden Tiere unter Kontrolle und begegnet mir mit dem Running Gag aller Hündeler: "Keine Angst, die tun nichts, die wollen nur spielen." Vorsicht, eines Tages spiele ich mit! Wenig später fahre ich zu einem einsamen Hof nahe der Burgruine Rohrberg hinab. Dort unten verliere ich ziemlich die Orientierung. Das GPS-Gerät auch. Hier muss irgendwo ein Pfad nach Rohrbach hinunter führen. Die längste Zeit irre ich um den Hof herum und bin froh, dass kein Hund da ist. Durch ein Fenster werde ich dabei von einem Mann beobachtet. Wie wird dieser reagieren, frage ich mich...

Ist er freundlich, wird er das Fenster bald öffnen und mich anständig fragen, was ich denn suche. Ist er unfreundlich, wird er das Fenster öffnen und mich fragen, was ich hier zu suchen hätte. Doch der Mann verhält sich schweizerisch neutral und sieht mir nur zu, wie ich umherirre. Schliesslich finde ich nach etlichen Anläufen den Singletrail und erreiche später Rohrbach. Auf der anderen Seite des Dorfes geht es bald wieder hinauf zur Kaltenegg. Im Wald verfahre ich mich nochmals kurz. Bei schönem Ausblick bike ich dann mit leichtem Auf und Ab Richtung Mühleweg und folge dort dem Wanderwegweiser zum Weiler Otterbach...

Kurz vor dem Einstieg in einen inoffiziellen Singletrail...
Am Hunzen ob Madiswil
Blick nach Huttwil bei Oberglasbach
Blick Richtung Huttwil
Dürrenroth vom Chabisberg aus
Blick auf Dürrenroth

Beim Hof Schangeneich kommt wieder so ein bellender Pelzträger angerannt. Wenn man so einen am Hinterrad hat, kann man insbesondere bergab eindrückliche Bestzeiten realisieren. Glücklicherweise kommt auch hier die Besitzerin und hält das Tier zurück. Über die Otterbachegg und den Friesenberg fahre ich Richtung Lünisberg. Auch hier gibt es einen inoffiziellen Trail. Diesen nehme ich und lande nach zirka einem Kilometer irgendwo im Niemandsland unterhalb der Wäckerschwend. Es folgt ein kurzer Gegenanstieg zum Lünisberg. Hier kämpft sich eine etwa 20-köpfige Bikergruppe hoch...
 
Einige dieser Kollegen überhole ich am Aufstieg. Ich komme mir irgendwie immer seltsam vor, wenn ich jemanden überhole. Fast noch mehr, als wenn ich selbst überholt werde. Aber ich muss mich langsam beeilen, folge am Abend noch einer Einladung. Via Richisberg und Buchi geht es zur Linden und auf einem letzten inoffiziellen Trail im Bützbergwald zurück nach Hause. Eine strenge Arbeitswoche, drei aggressiv kläffende Köter und sechs Berliner. Viel zu verdauen. Die nicht allzu beeindruckenden 52 Kilometer dürften in Verbindung mit den Höhenmetern zumindest die Berliner geradeso verbrannt haben…
 
 
Höhenprofil
 
 
 
Tourdaten: Weite 52,7 km / Höhe 1470 m / Fahrzeit 3:38 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Oberaargau-Tour


Sonntag, 25. Juni 2017

Mona Lisa lässt grüssen...

Letzte Nacht hat es in unserer Region entgegen der Wetterprognose keinen Tropfen geregnet. Eine ziemliche Überraschung. Gemäss den Wetterfröschen hätte man eigentlich ein grosses Schiff bauen und von jeder Tierart ein Pärchen suchen müssen. Zudem ist zum Glück die Hitze der letzten Tage vorbei. Heute ist es mit 24 Grad recht angenehm. So kommt es, dass ich "ausserplanmässig" eine Tour unternehme, die mit einer Art "Botengang" verbunden wird. Der kleine Uhrzeiger hat zwar bereits eine südöstliche Ausrichtung, als ich aufbreche. Aber schliesslich ist Sommer. Und da ist es ja bekanntlich länger hell als draussen...
 
Ich mache mich auf den Weg Richtung Bannwil und weiter zum Rüttihof. Ganz ähnlich wie bei der letzten Tour. Im Wald ist die Weiche diesmal aber nicht nach Kestenholz gestellt, sondern Richtung Neuendorf. Dort ist dann einiges im Weg: die Autobahn A1, die Dünnern, eine Bahnlinie und viel Industrie. In dieser Reihenfolge überquere, unterquere und passiere ich alles und fahre der Dünnern entlang schnurgerade nach Egerkingen, wo ich meinen "Botengang" erledige. Ziemlich unbekanntes Terrain. War ich hier schon mal? Ach ja, am 31. Januar 2009 bei minus 3 Grad. Schön, dass auch das geklärt ist...
 
Schliesslich nehme ich einen mir unbekannten Aufstieg zur Santelhöchi. Mit einigem Hin und Her schleiche ich auf Forstwegen den bewaldeten Hang hinauf. Diese sind zum Teil so stark überwachsen, dass schon fast Singletrail-Feeling aufkommt. Apropos Singletrails: Etliche, mir unbekannte Pfade stechen mir ins Auge. Fast noch mehr als die Dornen, die mancherorts den Weg säumen. Gut möglich also, dass ich hier bald wieder auf Erkundung gehe. Auf der Santelhöchi treffe ich einen etwas desorientierten Biker. Dieser fragt mich, wie man hier zur Belchenfluh komme, ohne dabei Höhenmeter zu vernichten. Leider ist das ungefähr so möglich, wie man in einem runden Zimmer in eine Ecke sitzen kann...
 
Auf einem leichten Schütteltrail fahre ich später über den Schwängiberg hinunter nach Langenbruck, wo mir wieder alles bestens bekannt ist. Dem Helfenberg entlang geht es an der Oberen Schwenglen vorbei zu einer Erhebung, die sich Hinter Ellbogen nennt. Hier irgendwo ist das potenzielle Ziel meiner Tour: Ein Singletrail, der direkt runter in die Limmernschlucht führt. Zumindest habe ich dort unten gestern einen Pfad entdeckt, der von hier oben abzweigen muss. Und so sei es dann auch: Ziemlich genau einen Kilometer lang, eher flowig geht es auf einem Trail runter, der teils kaum breiter als ein Schuh ist...

Langenbruck von Helfenbergrüttenen aus
Blick auf Langenbruck
Blick vom Ellbogen-Trail auf Mümliswil
Blick auf Mümliswil
Unterwegs auf dem Ellbogen-Trail
Abfahrt nach Mümliswil
 
Apropos Schuh: Vier Stück davon kommen mir entgegen. Darin stecken zwei Wanderer, die zum Glück sehr freundlich sind. Sie machen mir Platz, ich ihnen auch, so dass wir am Ende alle drei neben dem Weg stehen. So wie die beiden berichten, scheint der Weg vor allem im nördlichen Teil Mümliswils weltberühmt zu sein. Nach dem kurzen Schwatz bike ich dann weiter in die Limmernschlucht. Für mich ein klassischer Mona-Lisa-Trail: Das Grinsen will einfach nicht mehr aus dem Gesicht. Über Mümliswil, Balsthal und Niederbipp nehme ich den Rest. Lohn des Tages: Porto gespart, neuen Trail entdeckt, etwas Bewegung gehabt, grosses Grinsen und eine Zecke am linken Unterschenkel...

Abendstimmung bei Niederbipp
Abendstimmung bei Niederbipp
Gerstenfeld mit Roggenberg im Hintergrund
Gerste im Vordergrund, Roggen im Hintergrund
Bikerschatten
Schattenspiele
 
Höhenprofil
 
 
 
Tourdaten: Weite 73,5 km / Höhe 1390 m / Fahrzeit 4:21 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Santelhöchi/Ellbogen
 

Freitag, 16. Juni 2017

Offene Rechnung...

Die heutige Tour hätte eigentlich vorgestern stattfinden sollen – bei staubtrockenen Verhältnissen. Leider machte ich da aber einen grossen Fehler: Ich betrachtete frühmorgens die Wetterprognose meines "Lieblingsmeteorologen". Diese war nicht bescheiden: "Heute aus Südwesten verbreitet heftige Gewitter mit Sturmböen, sintflutartigem Regen und Hagel", war zu vernehmen. Alle anderen Wetterfrösche blieben deutlich moderater. Ich mag zwar Gewitter, aber Blitzeinschläge ins Bike sind gesundheitlich bedenklich. Ich blies die Sache ab, doch am Ende kam kein Tropfen vom Himmel…
 
Für gestern waren die Prognosen nicht besser, und wieder kam tagsüber nichts von oben. Dafür aber letzte Nacht. Die Uhr hörte ich noch halb zwei schlagen, dann begann es richtig zu kübeln. Da kommt sie also doch noch, die Kaltfront oder Weniger-Heiss-Front, wie Wetterfrosch Kleiber meinte. Und da kommt sie also doch noch, die 1426. Biketour seit der Premiere am 22. Februar 2003. Kurz vor 09.00 Uhr nimmt sie ihren Anfang bei rund 21 Grad und 90 Prozent Luftfeuchte. Kaltfront, aha. Es geht Richtung Bannwil, dann nahe des Rüttihofs in den Wald...
 
Hier dampft es regelrecht, es ist unglaublich schwül. Ertrinkungsgefahr beim Einatmen. Die Vögel blubbern eher, als sie pfeifen. Etwas später komme ich bei Niederbuchsiten an einer Firma vorbei, von deren Fassade mich ein überdimensionaler Roger Federer angrinst. Dann folgt die erste erwähnenswerte Steigung des Tages zur Santelhöchi. Der Schweiss beginnt zu tropfen, und zwar schneller, als die Uhr tickt. Nichts von Kühlung, es ist viel zu schwül. Einen Moment lang überlege ich, ob ich die Tour abblasen bzw. verkürzen soll...
 
Erinnerungen an den 22. Juni 2016 werden wach, als mein Fitness-Niedergang auf der damaligen Backofen-Tour ebenfalls mit starkem Schweisstropfen begann. Ja, meine Hitzebeständigkeit ist eindeutig von minderer Qualität. Aber apropos blasen: Gemäss den Wetterfröschen soll heute sprichwörtlich ein anderer Wind wehen, ein Nordwestwind nämlich, der dieses nicht auszuhaltende schwüle Gedöns ausräumt. Noch spüre ich jedoch nichts davon, aber die Hoffnung lebt. Von der Santelhöchi bike ich Richtung Wuesthöchi und weiter zur Belchenflue, die ich in letzter Zeit fast ein wenig "massiere" (soll heissen, viel befahre)...
 
Es scheint letzte Nacht nicht nur bei uns heftig geregnet zu haben, sondern auch hier: Viele Wege sind stark ausgewaschen. Auch derjenige runter zur Challhöchi sieht definitiv nicht mehr gleich aus wie noch bei der Tour am 8. Juni. Via Schmutzberg erreiche ich den unteren Hauenstein und fahre leicht alternativ rüber nach Wisen. Nach dem Hof Mapprach bläst mir ein heftiger Wind entgegen. Da ist er, der Nordwestwind! Die Fernsicht wird auch immer besser, mein Tag ist gerettet! Wenig später erreiche ich Rünenberg, einen meiner Lieblingsorte...

Park in Rünenberg
Rünenberg
Bei Rünenberg, im Hintergrund Wenslingen
Plateau bei Rünenberg
Blick auf Thürnen und Sissach
Thürnerflue

Hier muss ich unplanmässig halten, da meine Trinkvorräte bereits aufgebraucht sind! Nach der Pause folgt die Überfahrt zur Thürnerflue und der Singletrail runter nach Gelterkinden. Dieser ist im oberen Bereich überraschend trocken, unten aber teils etwas morastig. Ich passiere Gelterkinden und fahre teils recht steil hinauf zur Ruine Farnsburg. Ein paar Fotos geknipst, dann geht es weiter zur Böckterflue. Hier will ich eine offene Rechnung begleichen: Auf der Tour am 11. April 2016 fragte mich ein anderer Biker, wo denn hier der Endless-Trail sei. Die Frage konnte ich damals nicht beantworten, machte mich aber neugierig...

Farnsberg, oberi Weid
Hochweide am Farnsberg
Bänkli bei der oberen Weid
Bänkli auf dem Farnsberg
Blick von der Ruine Farnsburg auf das Dorf Buus
Ruine Farnsburg
Wehende Schweizer Fahne auf der Ruine Farnsburg
Der Nordwestwind bläst
Eidechsen sieht man dort viele...
Eidechse bei der Ruine Farnsburg
Reste der Farnsburg
Burganlage
  
Eigentlich mag ich konfektionierte Trails nicht so. Dieser hier fägt aber, auch wenn ich keine Rekordzeit aufgestellt haben dürfte. Die Jungs und Mädels von trailnet.ch leisten immer wieder tolle Arbeit. Nach ein paar Orientierungsschwierigkeiten finde ich das Dorf Böckten im Anschluss doch noch und fahre via Thürnen und Diepflingen Richtung Sommerau. Jetzt geht es in den Stierengraben. Danach folgen einige teils ziemlich steile Wege, und plötzlich stehe ich auf dem Wisenberg. Das wollte ich eigentlich gar nicht, ist einfach so passiert. Aber hier war ich schon viele Jahre nicht mehr...

Bei der Buuseregg
Blick auf Rickenbach BL
Singletrail auf der Hochebene der Böckterflue
Weg auf der Böckterflue
"Endless-Trail" zur Sommerau
Weg Richtung Sommerau
 
Der Aussichtsturm ist jedoch wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Der Singletrail vom Wisenberg nach Wisen ist wieder stark ausgewaschen. Obwohl ich viel trinke, sendet mir der Körper allmählich Warnsignale, dass er zu wenig Flüssiges hat. Wenn ich diese nicht ernst nehme, wird es mich zerlegen. Da mein Rucksack nicht mehr viel hergibt, kehre ich in Wisen ein. Das Hartgeld habe ich bereits in Rünenberg ausgegeben. Meine Zahlung mit einer 20er-Note führt zu einer relativen Panik beim Personal, da zunächst nirgendwo Wechselgeld verfügbar ist...
 
Schliesslich fahre ich mit einem Portemonnaie voller Kleingeld über den Liechtberg-Singletrail und runter nach Hauenstein. Nach einem weiteren Downhill geht es nahe an Trimbach vorbei zum Rumpel und hinab nach Wangen bei Olten. War ich hier schon mal? Glaube nicht. Ich habe schon wieder einen trockenen Mund und muss wieder etwas Flüssiges einkaufen. Ich kriege das Zeug kaum noch runter, kann scheinbar gar nicht so viel trinken, wie ich benötigen würde. Dann bike ich hoch zum Born, der wohl eine Art Hausberg von Olten und Umgebung ist. Hier war ich am 28. Dezember 2011 das erste und einzige Mal...

Herzförmiger Ausblick auf Olten vom Liechtberg
Blick vom Liechtberg auf Olten
Singletrail auf dem Born
Am höchsten Punkt des Born
Unterwegs auf dem Born
Blick vom Born auf Rothrist
 
Der Weg ist zu Beginn recht steil. Ich merke zuerst gar nicht, in was für einem hohen Gang ich da hochknorze. Wohl etwa mit einer Kadenz von 30, aber irgendwie fühlt es sich sehr angenehm an. Doch kein Mediziner der Welt würde einem das als effizientes Biken verkaufen. Ein paar Singletrails, dann ein Forstweg, und man hat das Bornchrüz erreicht. Nach weiteren Orientierungsschwierigkeiten fahre ich doch noch planmässig an Gunzgen vorbei und nehme via Schweissacker und Bannwil den Rest. Fazit des Tages: Die Rechnung an der Böckterflue ist beglichen. Und Nordwestwind kann Touren retten…
 
 
Höhenprofil
 
 
 
Tourdaten: Weite 135,6 km / Höhe 3250 m / Fahrzeit 9:41 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Belchenflue-Böckterflue-Wisenberg
 

Dienstag, 13. Juni 2017

Endlich wieder Schuhplatteln...

Zu Beginn jedes Sommers warte ich sehnlich darauf, dass mir nachts die erste Mücke der Saison um die Ohren surrt. Letzte Nacht war endlich dieser magische Moment. Alles herumfuchteln und sich in der Dunkelheit selbst ohrfeigen war wie immer zwecklos. Das juckte dieses Biest nicht im Geringsten. Dafür juckt es mich heute Morgen dank der zahlreichen Stiche. Wie schön, der Sommer ist endgültig angekommen. Heute werden 26 Grad vorhergesagt, das ist für eine Biketour gerade noch zulässig. Nicht allzu weit soll es gehen; einen Klassiker will ich nachholen, der eigentlich im Frühling angedacht war...
 
Zirka 08.30 Uhr starte ich. Über Balsthal, Holderbank und Bärenwil fahre ich zur Wuesthöchi. Hier war ich bereits am 8. Juni unterwegs, jedoch in Gegenrichtung. Obwohl es noch keine 20 Grad hat, schwitze ich bereits ordentlich. Dafür ist sicher auch ein bisschen meine aktuelle Frisur verantwortlich, eine Art Mischung aus Jimi Hendrix und Guschti Brösmeli. Schweiss zieht lästige Insekten an. Als ich auf der Wuesthöchi kurz absteige, um das Bike über ein Gatter zu hieven, werde ich von einem Bremsenschwarm angegriffen. Ach ja, die gibt es auch noch. Die Mücken haben sich ja bereits letzte Nacht in Erinnerung gesurrt...
 
Mit einer Art Schuhplattler-Einlage verteidige ich mich gegen die elenden Blutsauger. Das Spektakel ist jedoch nicht mit Volksmusik untermalt, sondern mit Sprechgesang. Oder nennen wir es mal Fluchen. Ich erringe einen Kantersieg mit etwa 30 zu 1. Einen Gegentreffer muss ich zulassen. Den Stich spüre ich aber fast weniger als all die Körperstellen, wo ich draufgehauen habe. Wenig später stehe ich auf dem Chilchzimmersattel, dem Pass, der unter anderem die beiden Hauensteinpässe miteinander verbindet. Hier beginnt der lange, schöne Singletrail, der via Spitzenflüeli und Lauchflue zum Rehhag führt...

Faule, verdrehte Katze
Katze, unsortiert
Auf dem Weg nach Holderbank...
Balsthal
Lauchflue mit Blick Richtung Norden
Ausblick von der Lauchflue
 
Zahlreiche schöne Ausblicke und alte Militäranlagen gehören hier zum Programm. Der Weg verläuft in einem Naturschutzgebiet. Die Devise, den Pfad nicht zu verlassen, gilt hier umso mehr! Der Trail ist teils recht steinig und verläuft leicht auf und ab. Beim Rehhag bewege ich mich für einmal nicht runter zur Sennhöchi, sondern rüber zum Humbel. Dabei geht es kurz über eine Wiese. Beim Humbelbergli führt dann ein weiterer, kurzer Singletrail runter zum Hof Humbel. Der Weg ist zum Teil nicht mal handtuchbreit, noch singler geht Trail kaum...

Humbelbergli-Trail
Trail beim Humbelbergli
Kurz vor dem Hof Humbel ob Langenbruck
Blick zum Hof Humbel
Hier ginge auch ein Singletrail runter...
Balsthal vom Roggen aus
 
Den Hof selbst umfährt man über einen weiteren kurzen Singletrail. Kurz darauf führt ein weiterer Pfad hinunter zum Spittel, wo man unsanft von der puren, wilden Natur auf eine Hauptstrasse ausgespuckt wird. Kurz folge ich dieser, dann biege ich ab und fahre mit Umweg nach Langenbruck. Hauptsache weg von der Strasse, auch wenn ich das Dorf schlussendlich nicht ganz plangemäss erreiche. Nach kurzer Pause geht es über Holderbank weiter zum Oensinger Roggen. Beim Downhill nach Oensingen bekommt man erneut viel Singletrail fürs Geld. Danach nehme ich noch den Rest. Volkstänze wegen Bremsen folgen keine mehr.
 
 
Höhenprofil
 
 

Tourdaten: Weite 77,6 km / Höhe 1650 m / Fahrzeit 5:04 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Rehhag-Roggen