Dienstag, 14. November 2017

Im Schnee von gestern...

Mit Schimpf und Schande oder eher mit Sturm, Blitz und Donner hat die Kaltfront am Sonntag die Warmluft zum Teufel gejagt. Das beeindruckende Naturschau-spiel sollte mir sogar mehr Zeit wert sein als das Match von Roger Federer. Gewonnen haben schlussendlich beide: die Kaltluft und Federer. Gestern fuhr ich eine einigermassen kurze Rekog-Tour mit dem Fattie zur Schmiedenmatt, um zu beurteilen, wie viel Schnee da in der Nacht auf und am Montag noch gefallen ist. Die Erkenntnis: zum Skifahren zu wenig, fürs Fattie jedoch genau richtig...
 
Morgen dürften die Wolken zwar spärlicher sein als heute, bei meinen Terminen ist es jedoch gerade umgekehrt. Zudem soll es deutliche Plusgrade geben. Das heisst: Schon am Mittwoch wird wohl der gestrige Schnee Schnee von gestern sein. Leider ist es wieder deutlich nach 10.00 Uhr, bis der blaue Traktor vom Hof rollt. Er fährt mehr oder weniger schnurstracks Richtung Norden, zum Brunnersberg auf der zweiten Jurakette. Wer den (Früh-)Winter sucht, findet ihn oberhalb von rund 1000 m. Die Devise lautet also, möglichst lange auf dieser Höhe zu bleiben. Schliesslich will ich in den Schnee, nicht in den Morast...
 
Beim Start hat es knappe 4 Grad und Hochnebelfelder, deren Kampf gegen die bisher sehr rare Novembersonne jedoch aussichtslos ist. Die Auffahrt zum Brunnersberg ist lang und langweilig. So sehr ich Desserts mag, es gibt einen Coupe, der mir nicht schmeckt: der Coupe de Bois. Und genau dieser sorgt dafür, dass ich bei der Auffahrtsroute zu Beginn etwas künsteln muss. Bis auf eine Höhe von etwa 700 m deutet gar nichts auf Schnee hin. Auf rund 800 m kriege ich dann bei Temperaturen von noch knapp über dem Gefrierpunkt Eiszapfen und Schneematsch auf den Deckel, die von den Bäumen fallen...

Stierenberg hell, Mittelland dunkel
Kontrast-Bild vom Stierenberg (gestrige Tour)
Winter auf dem Brunnersberg
Brunnersberg auf 1160 m
Weg Richtung Sangetel
Schöne Winterlandschaft
 
Kaum ist die Höhe vierstellig, wird die Landschaft rasch weiss. Auf dem Brunnersberg auf über 1100 m bin ich definitiv im Winter angekommen. Die Sonne kann sich immer besser in Szene setzen. Doch der serbelnde Hochnebel gibt alles, schiebt immer wieder ein paar Fetzen davor. Die Fahrt zur Tannmatt durch die teils unberührte Winterlandschaft ist richtig herrlich. Etwa 15 cm Schnee hat es, dazu bescheidene minus 2 Grad. Aber diese Kunst der Natur ist vergänglich. Schon morgen wird es wohl tauen. Ein kurzer Downhill führt mich via Chüematt zum höchsten Punkt des Vorderen Brandbergs...

Winter und Herbst auf einen Blick
Blick auf Laupersdorf
Winterlandschaft auf rund 1200 m
Verschneiter Wald beim Zentner
Schöne Schneelandschaft
Auf dem Weg zur Tannmatt
Fattie-Spur im Novemberschnee
Fattie-Spur im Schnee
Unberührter Schnee auf der Tannmatt
"Wanderweg" bei der Tannmatt
Auf dem Wanderweg zur Chüematt
"Singletrail" zur Chüematt
 
Beim Brandberg geht es zuerst einen guten Kilometer über eine Wiese leicht bergab. Im Firstwald führt dann ein Singletrail nicht nur deutlich steiler talwärts, sondern auch rasch wieder zurück in den Herbst. Zum Glück liegt der Pfad im Schatten, so dass der Schnee hier noch konserviert wird. Sonst hätte es wohl eher einen Abrutsch gegeben statt eine Abfahrt. Beim Downhill Richtung Matzendorf friere ich dann doch noch. Ich sollte den Schnee am Bike, im Helm und an der Kleidung etwas gründlicher entfernen. Denn er beginnt nun zu tauen und durchnässt mich von allen Seiten...
 
Irgendjemand hat an der Uhr gedreht, jedenfalls ist es wieder schon so spät. Bei Balsthal probiere ich einen kurzen, unbekannten Trail aus, danach geht es nur noch leicht schnörkelhaft zurück Richtung (eigener) Haustüre. Wenn auch etwas früh – es war eine geniale Schneetour. Vielleicht ist der Winter jetzt für einige Zeit Schnee von gestern. Eine Wette gehe ich jedenfalls ein: Die erste Novemberhälfte 2017 wird kälter als die erste Januarhälfte 2018. Möge ich bitte irren. Denn jetzt bin ich reif für den Winter. Heute auf den Geschmack gekommen...

Glitzernder Schnee auf der Chüematt
Chüematt
Lange Spur, langer Hals
Langhalsiger Schatten bei der Chüematt
Unterwegs auf knapp 1100 m
Vorder Brandberg
Auf der Gegenseite beginnt der Singletrail...
Kurz vor dem Firstwald-Trail
Auf noch gut 1000 m ist bald Schluss mit Schnee
Blick ins schneefreie T(h)al
Fertig Winter auf knapp 700 m
Zurück im Herbst ob Aedermannsdorf

Höhenprofil



Tourdaten: Weite 72,6 km / Höhe 1410 m / Fahrzeit 5:03 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Brunnersberg-Tannmatt-Brandberg
 

Donnerstag, 9. November 2017

Nur noch drei Tage Regenwetter, dann schneit es wieder...

Toll, wie facettenreich sich dieser November präsentiert: Mal schifft es aus Westen, dann aus Süden. Durchaus aber auch gerne aus Osten oder Norden, wenn nicht gleich aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Die Auswahl ist riesig: Landregen, Graupel, Sprühregen, Schneeregen. Alles dabei. Der Nebel bietet ebenfalls viel Abwechslung: Mal ist er dicht, mal noch dichter. Seine Obergrenze schwankt zwischen sehr hoch und höher. Da wird einem wirklich nie langweilig – beim Erledigen von Büroarbeiten. Heute schifft es ausnahmsweise nur ganz wenig. Zudem herrscht ab etwa 1000 m eine Sichtweite von nahezu 10 Metern!
 
Rasch wird mir klar: So schön wie heute war es lange nicht und wird es wohl so schnell nicht mehr. Also sofort raus und geniessen, morgen soll es wieder umschlagen. Nicht gerade Balsam fürs Gemüt, aber was solls, klagen nützt nichts. Apropos: Auch das Fattie kann sich nicht beklagen, was Bewegungsmangel angeht. Es durfte im Verlaufe des Jahres zahlreiche Uhu-Fahrten (Ums-Huus-Fahrten) bestreiten. Standschäden hat es keine. Sein heutiger Einsatz startet erst um etwa 12.30 Uhr. Unschwer zu erraten, dass das keine Weltreise mehr wird. Unglaublich, wie zielstrebig ich losfahre. Man könnte glatt meinen, ich hätte ein Ziel...
 
Ein leichter Sprühregen nebelt mich ein. Irgendwann stehe ich im Wald oberhalb von Oberdorf und nehme dann ganz fantasievoll die steile Passstrasse zum Weissenstein in Angriff, welche ich in etwa so liebe wie der Teufel das Weihwasser. Die Strasse ist eigentlich ein Unding für das Fattie, zumal sie bis oben schneefrei ist. Doch der Hinterreifen leckt sowieso und muss bald ersetzt werden. Daher spielt es keine Rolle, wenn ich die Stollen noch etwas abflache. Sehr behäbig walzt (um nicht zu sagen quält) sich das Fattie da hoch. Die Strasse fahre ich meist nur, wenn alles andere nicht mehr geht, also vor allem im Winter...
 
Meine Hoffnung, die Bauarbeiten am Ostflügel des Kurhauses könnten eventuell aufgrund der Witterung eingestellt sein, zerschlagen sich rasch. Die Lastwagen fahren mir nur so um die Ohren. Zum Glück ist genug Platz. Der Sprühregen hat aufgehört. Schnee und dichter Nebel erwarten mich auf dem Weissenstein. Mit knapp unter 0 Grad ist es allerdings nicht kalt. Soll ich jetzt einfach warten, bis die Sonne kommt? Geht nicht, muss noch vor Weihnachten Geschenke kaufen. Es ist wie Warten auf Godot, der kam auch nie. Fast ein wenig alibimässig fahre ich den Hammerweg-Trail. Viel Schnee hat es nicht, das Fattie ist unterfordert...

Nebel und Schnee auf der Weissenstein-Passhöhe
Fattie auf der Passhöhe Weissenstein
Sogar er schaut irgendwie fassungslos drein...
Schneemann beim Kurhaus
Nebulöser Singletrail auf knapp 1300 m
Hammerweg
 
Schliesslich nehme ich den Weg runter zum Balmberg, kehre dann aber spontan um: Ich bin doch nicht mit dem Traktor hier hinaufgewalzt, um einen Trail zu fahren, den man auch mit dem Normalo-Bike locker erledigt hätte?! Etwas später stehe ich nach echtem Geknorze auf der Röti. Jetzt macht das Ganze irgendwie Sinn. Der November 2017 lässt sich nicht lumpen: Das ist nicht einfach billiger Pfuschnebel, nein, das ist mehrschichtiger Qualitätsnebel. Auf der Röti habe ich die erste Schicht offenbar durchdrungen, zumindest lichtet sich das Grau etwas. Für wenige Minuten öffnet sich sogar ein kleines Sichtfenster Richtung Mittelland...
 
Die untere Nebelschicht stürzt über den Balmberg und löst sich dabei auf. Ein Phänomen, das öfter am Passwang zu beobachten ist. Doch zum Glück gibt es ja noch einen zweiten grauen Deckel. Und dessen Obergrenze liegt wohl weit über 2000 m. Nicht auszudenken, wenn ich heute doch noch ein paar Sonnensekunden abgekriegt hätte. Das wäre geradezu rufschädigend für den November gewesen, der alles dafür tut, sein ohnehin nicht gerade schmeichelndes Image zu zementieren. Nach ein paar Minuten Aufenthalt auf knapp 1400 m geht es leicht alternativ durch teils unberührten Schnee hinab Richtung Balmberg...

Posierendes Fattie auf der Röti
Triangulationspunkt der Röti, 1395 m
Blick ins Weisse statt ins Weite...
Verschneites Bänkli
Der Nebel stürzt über den Balmberg und löst sich auf
Sichtfenster ins Mittelland auf 1395 m
 
Rasch gerate ich wieder in den stockdichten Nebel und verliere kurzzeitig ein wenig die Orientierung. Auch das GPS-Gerät kommt offenbar durcheinander. Das aufgezeichnete Höhenprofil ist von hier an nur noch etwas für Liebhaber abstrakter Kunst. Selten so einen Quatsch gesehen. Es ist bereits nach 16.00 Uhr geworden. Das ohnehin spärliche Licht wird immer noch spärlicher. Grosse Experimente liegen nicht mehr drin. In Inkwil gehen schliesslich die Lampen an. Jetzt freue ich mich auf die nächsten vier Fronten, die bis Montag kommen sollen...

Aber eben, man soll sich nicht immer übers Wetter beklagen. Es kann sich ja nicht mal wehren. Zu Beginn der folgenden Woche soll es angeblich bis weit runter weiss werden, was mir grundsätzlich gar nicht schlecht gefallen würde. Aber das ist Schnee von Montag. In diesem Sinne: Nur noch drei Tage Regenwetter, dann schneit es wieder...


Höhenprofil (ab ca. km 35 abstrakte Kunst)
 
 

Tourdaten: Weite 57,8 km / Höhe 1360 m / Fahrzeit 3:44 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Weissenstein-Röti
 

Montag, 30. Oktober 2017

Ungewohnt...

Der Tag gestern hatte 25 Stunden. Seitdem ist nichts mehr, wie es mal war: Es ist wieder die Zeit gekommen, in der man schon kurz nach dem Mittagessen das Gefühl hat, es sei Abend. Ein paar Stunden kann ich in der zweiten Tageshälfte freischaufeln. Diese will ich für eine kleine Tour nutzen, grosse Sprünge liegen ohnehin nicht mehr drin. Bereits nach 13.30 Uhr ist es, als ich starte. Eine etwas unkonventionelle Route führt mich nach Wangen an der Aare, dann dem Fluss entlang und danach kurz bergwärts. Irgendwann stehe ich in Attiswil und weiss einen Moment lang nicht weiter...
 
Richtung Teuffelen soll es schliesslich gehen. Irgendwo mitten im Aufstieg stehen Traktoren auf und im Weg, so dass ich spontan links abbiege und mich wenig später in Günsberg befinde. Mit einer Linie, die ich so eigentlich nie fahre, lande ich dann auf dem Balmberg. Weissenstein? Nein, Schatten zu lang, Zeit zu kurz. Also rüber zum Niederwiler Stierenberg. Hier oben auf gut 1150 m weht mir ein zügiger Nordostwind entgegen. Die Sonne zeigt sich nur zeitweise. Zusammen mit der Temperatur von 1 Grad fühlt sich das irgendwie... ungewohnt an. Einsam bin ich hier oben. Ganz alleine mit dem einen Grad Celsius...

Bunter Herbstwald
Bunter Herbstwald am Oenzberg
Müder Hund
Er ist hundemüde
Niederwiler Stierenberg mit Blick ins Mittelland
Niederwiler Stierenberg
Weg zwischen Stierenberg und Hofbergli
Trail zum Hofbergli
Trail kurz vor dem Hofbergli
Beim Hofbergli
Erst 16.00 Uhr und schon Abend
Schmiedenmatt
 
Ich fahre runter zur Schmiedenmatt und weiter zur Hinteregg. Über die Buchmatt nehme ich den Abstieg nach Rumisberg – eine eher ungewohnte Abfahrt. Der steile Karrweg ist von Laub bedeckt. Darunter lauern immer wieder Überraschungen. Die Sonne steht tief, der Schatten zieht sich mehrere Meter lang. Gefühlsmässig muss es etwa 18.00 Uhr sein. Der Blick auf den Zeitmesser verrät: Es ist kurz nach 16.00 Uhr. Auch das ungewohnt. Von Rumisberg folgt die Abfahrt nach Wiedlisbach. Danach mache ich in der Dämmerung keine Experimente mehr. Kaum zu Hause angekommen, gehen auch schon die Lampen an...
 
Ich habe mich bewegt, war in der Natur und fühle mich gut. Das Ziel ist erreicht – mit nicht mal 55 Kilometern. Im Outlook-Kalender des Wettermachers habe ich gesehen, dass er Anfang nächster Woche eine Sitzung mit Frau Holle eingetragen hat. Hoffentlich ist das erst ein Kickoff-Meeting. Ich bin nämlich noch gar nicht auf Winter eingestellt. Auch wenn schon bald November ist, für mich wäre Schnee jetzt vor allem eines: ungewohnt...


Höhenprofil

 
 
Tourdaten: Weite 54,7 km / Höhe 1240 m / Fahrzeit 3:20 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Niederwiler Stierenberg-Buchmatt
 

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Herbstgruss...

Wenn man die Gelegenheit hat, dieses Herbstwetter Marke Deluxe auszunutzen, sollte man es unbedingt tun. Sonst droht ein schlechtes Gewissen sich selbst gegenüber, und man verpasst zudem die Farbenpracht, welche die Natur derzeit präsentiert. Zum Glück habe ich momentan das Privileg, mich aufs Bike zu setzen, wenn es mir gerade passt. Und heute passt es wieder. Nachdem die beiden letzten Touren ziemlich heftig ausgefallen sind, will ich es heute deutlich ruhiger angehen. Nach der vorgestrigen Spaghetti-Tour muss ich meinen Körper jedoch zuerst vorsichtig um eine Fahrerlaubnis fragen. Er gibt mir grünes Licht...


Raubtier oder Faultier?
Faule Katze
Herbstlicher Weg nahe Niederönz
Farbentunnel am Oenzberg
Herbstszene bei Heimenhausen
Gelb-Pferd-Gelb
 
Schon gestern war ich wieder erstaunlich fit, obwohl ich nach der Glaubenberg-Tour vom 16. Oktober vor lauter Müdigkeit fast rückwärts die Treppe hochsteigen musste. Wie eine Briefmarke kam ich mir vor: zwar zackig, aber auch flach. Heute werde ich mich mit dreistelligen Höhenlagen begnügen. Genau diese dürften nämlich schon bald unter oder in der Nebelsuppe verschwinden. Eine klassische Nebellage hat dieser Herbst zwar bislang noch nicht geboten, aber das wird noch kommen. Die Katze ist einmal mehr keine gute Inspirationsquelle für meinen Bewegungsdrang, dennoch starte ich am Vormittag nach Norden...
 
In dieser Richtung sind ein paar abziehende Schleierwolken erkennbar, ansonsten ist es wolkenlos und sehr mild. Die Fernsicht ist allerdings nicht sehr gut, um doch noch auf höchstem Niveau zu jammern. Ich fahre zuerst nach Oensingen und nehme dort den Weg zum Roggen in Angriff. Die Bürgergemeinde hat dieses Natursträsschen auf einigen Hundert Metern illegal betonieren lassen und es damit zu einem Politikum im Kanton Solothurn gemacht. Ich steige hoch bis zur Hauensteinmatt auf gut 900 m, dann geht es hinab nach Holderbank und gleich wieder aufwärts zum Baselbieter Weiler Bärenwil...


Blühende Blumen mit Bienen im Oktober
Frühling pur...
Wald beim Leenberg ob Niederbipp
Bunter Wald ob Niederbipp
Blick auf die Dampffahne des AKWs Gösgen
Aufstieg zur Hauensteinmatt
 
Auf den Wiesen blühen zum Teil Blumen, die zahlreiche Bienen anlocken. Zusammen mit den warmen Temperaturen kommt fast ein wenig Frühlingsfeeling auf – mitten im Oktober. Doch die wunderbar farbigen Wälder sind ein unverkennbares Zeichen dafür, dass da nix Frühling ist. Via Asp führt mein Weg zum Allerheiligenberg, wo wiederum gut 900 m erreicht werden. Hier setze ich mich auf ein Bänkli und geniesse die Aussicht, die man theoretisch hätte, wäre es nicht so dunstig. Der Herbst ist der Künstler unter den Jahreszeiten. Unglaublich, diese Farbenpracht überall. Man kann sich fast nicht sattsehen...


Trail zum Allerheiligenberg
Allerheiligenberg mit "Kunstwerk"
Allerheiligenberg auf 909 m
Allerheiligenberg nahe der Klinik
Farbiger Wald beim Allerheiligenberg
Bei der Waldhütte am Allerheiligenberg
 
Die heutige Tour soll keine sportliche Höchstleistung werden, dafür bleibt aber genug Zeit zum Fotografieren und Verweilen. Insofern hat mich die Katze vielleicht doch ein wenig inspiriert. Nach einem Singletrail auf dem Allerheiligenberg geht es bereits zum bescheidenen Höhepunkt der Tour, der Wuesthöchi auf 967 m. Mit leichtem Auf und Ab fahre ich rüber zur Schwengihöchi ob Langenbruck und via Asp zur Santelhöchi. Trotz der Fernsicht zéro-zéro hänge ich hier noch die Höchi Flue ob Egerkingen an, die 966 m erreicht. Nicht wegen der Aussicht, sondern wegen des Trails, der dort oben verläuft...
 

Kurz vor der Neu-Bechburg ob Oensingen
Trail kurz vor der Neu-Bechburg
Burg Neu-Bechburg
Burg Neu-Bechburg
Farbiger Herbstwald bei Heimenhausen
Herbstwald bei Heimenhausen
Natur in Herbststimmung
Nahe Schwerzi
Trail im Unterwald bei Herzogenbuchsee
Singletrail in Farbe
Farbiger Herbstwald beim Reckenberg
Farbenspiel nahe Herzogenbuchsee
 
Über die Schlosshöchi und die Tiefmatt mache ich mich dann auf den Weg zum Oensinger Roggen. Hier wartet ein schöner Trail, der zur Neu-Bechburg und weiter nach Oensingen hinunter führt. Der Nachhauseweg über Bannwil wird dann einigermassen unrhythmisch, da ich ständig wieder etwas bildlich festhalten muss. Schliesslich fahre ich bei tiefstehender Sonne wieder zu Hause ein, wo die Katze immer noch auf dem Stuhl liegt. Immerhin hat sie während meiner Biketour ihre Position ein bisschen verändert. Und sie bewegt sich doch...
 
Höhenprofil


 
Tourdaten: Weite 76,7 km / Höhe 1830 m / Fahrzeit 5:09 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Allerheiligenberg / Höchi Flue

Montag, 16. Oktober 2017

Alles gut ausgenutzt...

Im Gegensatz zur Tour von letzter Woche entstand die heutige sehr spontan, um nicht zu sagen überhastet. Der Oktober gibt heuer mächtig Gas mit schönem Wetter, das ich unbedingt ausnutzen muss. Denn ein bisschen die Hochs und Tiefs umgestellt, und schon schneit es. Die Sörenberg-Tour soll heute eine Art "kleinen Bruder" erhalten. Nachdem ich alle Umstände und Gegebenheiten analysiert hatte, war klar, dass vor dem Juni 2018 nur noch ein Tag dafür in Frage kommt: der 16. Oktober 2017. Als morgens die Strassenlampen nach und nach ausgehen, starte ich Richtung Osten – erneut in kurzer Kleidung. Diesmal hat es 5 Grad; das ist immerhin 25 Prozent wärmer als letztes Mal! Nebel hat es keinen...

Zum Aufwärmen fahre ich über die Linden nach Rohrbach. Dort folgt die nächste Steigung Richtung Huttwilberg mit der Absicht, Huttwil zu umfahren. Ich streife das Dorf noch am östlichen Ende, dann geht es ganz unauffällig über die Luzerner Kantonsgrenze. Relativ direkt und ohne grosse Experimente fahre ich nach Willisau. Bei Gütsch hat man einen schönen Blick auf das noch verschlafen wirkende Städtchen. Hier oben spricht mich ein Mann an, wohin ich gehen wolle. Er bike selber auch sehr gerne, sei letzte Woche beim Salwideli gewesen. Als ich entgegne, ebenfalls dort gewesen zu sein, sprudelt es nur so aus ihm heraus, wie schön doch Biken sei. In der Hoffnung, nicht unhöflich zu sein, kürze ich das Gespräch dann etwas ab, bin ja noch nicht ganz am Ziel meiner Tour...

Es folgt ein kurzer Dowhnill. Auch Willisau streife ich nur ganz im Osten, aber das reicht mir völlig. Unglaublich dieser Verkehr hier. Von wegen verschlafen. Ich fahre am Bahnhof vorbei, dann wird es rasch wieder ruhig. Ich folge meist dem Wanderweg nach Wolhusen, der durch eine schöne, mir völlig unbekannte Gegend führt. Auf die Durchfahrt von Wolhusen freue ich mich gar nicht. Aber der Ort liegt in einer Senke und ist ein Knotenpunkt. Und so auf die Schnelle wollte mir keine vernünftige Umfahrung ins Auge stechen. Mitten im Dorf mache ich bei Kilometer 45 eine Pause. Warum bloss schreien sich die beiden Frauen vor der Bäckerei so an? Aha, die schreien sich gar nicht an, die versuchen sich zu unterhalten... 

War gar nicht so verschlafen, wie es aussieht: Willisau
Morgendliches Willisau
Ahornbaum mit gelben Blättern
Ahorn im Herbstkleid
Schöner Weg oberhalb von Menznau
Oberhalb von Menznau
Nahe Wermelingen ob Wolhusen
Kurz vor Wolhusen
Schöne Herbstfarben
Herbst pur
Wolhusen, da muss ich durch...
Wolhusen

Dabei hätte Wolhusen durchaus einen gewissen Charme, wäre da nicht der Verkehr Marke Grossstadt. Beim Aufstieg Richtung Obermoos wird es rasch ruhiger. Es geht weiter bergwärts zum Weiler Rengg, wo der "Wanderweg" leider etwa 3 Kilometer auf der Strasse verläuft. Das Dorf Finsterwald böte Stoff für einen Krimi. Aber nur des Namens wegen, denn so finster ist der Wald hier gar nicht. Die Kirchturmuhr schlägt zwölfmal. Nach einem etwas kräftezehrenden Abschnitt beim Fuchseremoos folgt ein kurzer, aber cooler Singletrail hinunter auf die Passstrasse zum Glaubenbergpass. Die Bauern sind hier alle so freundlich, winken, grüssen teils überschwänglich. Nik Hartmann meinte kürzlich: Auf über 1000 m treffe man nur äusserst selten Idioten an...

Diese Aussage kann ich nach meiner Erfahrung weitestgehend bestätigen. Etwas relativiert wird sie allenfalls an Orten, wo im Umkreis von zirka einem Kilometer Gratisparkplätze zur Verfügung stehen. Bei Gfellen kann ich der Glaubenberg-Passstrasse nochmals über einen Singletrail entfliehen. Der Rest des Aufstiegs erfolgt dann leider auf der Strasse. Dies hat wenigstens den Vorteil, dass ich mich nicht gross verirren kann. Denn heute nutze ich wieder jede Chance, mich zu verfahren, die sich mir bietet. Selbst Halb- und Vierteilchancen packe ich mit meinem gigantischen Talent. Nachteilig ist vor allem der Verkehr, der am heutigen Montag allerdings nicht allzu schlimm ist... 

Gemütliche Waldhütte ob Werthenstein
Waldhütte oberhalb Werthenstein
Am Glaubenbergpass, ca. 1100 m
Am Glaubenbergpass
Enten im Teich bei der Passhöhe Glaubenberg
Ententeich bei der Glaubenberg-Passhöhe
 
Zahlreiche Motorräder überholen mich. Einige davon surren und sehen auf den ersten Blick aus wie Mountainbikes, haben aber nichts damit zu tun. Zum Glück hat die Fahrbahn keinen Mittelstreifen. Auf Passstrassen mit Mittelstreifen reagiere ich äusserst allergisch. Kurz vor der Passhöhe zeigt mir ein Schild an, dass der Kanton Luzern durchfahren ist: Ich bin im Kanton Obwalden angelangt. Bei der Passhöhe auf 1539 m setze ich mich kurz auf ein Bänkli und geniesse die schöne Landschaft. Es ist unglaublich warm, an der Sonne schon fast unangenehm. Danach geht es auf einem kleinen Militärsträsschen weiter bis rund 1750 m. Hier könnte man unter anderem zum Sewenseeli und nach Flühli hinunterhügeln (downhillen)...

Ich mache mich aber auf den Weg Richtung Sewenegg, dem Scheitelpunkt meiner Tour. Dort will ich einen Singletrail zurück zum Glaubenbergpass nehmen. Am höchsten Punkt meiner Tour, auf gut 1800 m, ist eine Pause fällig. Die Fernsicht ist Hammer, der Himmel tiefblau. Wetter, das Wolkensucher depressiv macht. Vom Singletrail zum Glaubenbergpass habe ich mir das Blaue vom Himmel versprochen, doch er ist nicht gerade das Gelbe vom Ei: zuerst noch lässig, dann zunehmend morastig und steinig. Ein wenig Hike and Bike, was ich nicht so mag. Sorgen macht mir aber mehr der Schatten, der sich schon ordentlich in die Länge zieht. Fast 15.00 Uhr ist es, als ich den Glaubenbergpass wieder erreiche...

Singletrail zur Sewenegg
Trail ins Blaue auf rund 1800 m
Sewenegg, Sarnen
Sewenegg mit Blick Richtung Osten
Alpenblick bei der Sewenegg
Sewenegg, Blick Richtung Süden
Sewenseeli von der Sewenegg aus
Sewenseeli
Da war der Singletrail noch cool...
Abfahrt zum Glaubenbergpass
Der Weg ist auch ein Bach. Oder umgekehrt
Weg durch den Bach
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Ein paar Meter fahre ich die Passstrasse runter und biege dann auf ein einsames Strässchen Richtung Breitwang ab, das nochmals rund 160 Meter ansteigt und die 1500er-Höhenlinie knackt. Bei Tor muss ich das Bike kurz schultern zur Toregg, bevor es über einen schönen Trail zur Oberen Loegg und dann auf einem etwas bachbettartigen Weg hinunter nach Schimbrig und zur Neuhütte geht. Auf 1029 m erreiche ich dann einen vorübergehenden Tiefpunkt, bevor mein Weg nochmals auf über 1300 m führt. Kaum ist die 1300er-Höhenlinie überquert, öffnet sich der schöne Blick Richtung Entlebuch. Selbstverständlich nutze ich auch hier wieder die Gelegenheit für einen kleinen Irrweg, indem ich wegen der Mountainbike-Beschilderung zuerst Richtung First statt Heiligkreuz fahre...

Schliesslich erwische ich dann doch den richtigen Weg. Den Trail runter nach Schüpfheim finde ich genial. Verwundert fahre ich kurz vor dem Dorf an einem Skilift vorbei. Wusste gar nicht, dass man hier Skifahren kann. In Schüpfheim schlägt die Kirchturmuhr (leider schon) fünfmal. Eine kurze Pause, dann folge ich dem Wanderweg nach Escholzmatt, der zuerst der Kleinen Emme entlang verläuft. Etwas später führt er leicht bergwärts. Die beiden Höfe Steiwurf und Tellenmoos haben so viel gemeinsam: Zu ihnen führt ein schöner Singletrail, sie liegen zudem auf genau der gleichen Höhe. Und doch verläuft ein Graben zwischen ihnen. Warum nur musste Mutter Natur hier diesen Graben bauen? Ich muss das Bike nochmals schultern, und es ist doch schon ziemlich dunkel geworden...

Chlusmätteli
Chlusmätteli
Ober Loegg, 1469 m
Ober Loegg
Schimbrig, wenige Meter vor der Beiz
Schimbrig
Blick auf Hasle und Entlebuch
Unterhalb First, Blick auf Entlebuch
Heiligkreuz mit Kapelle
Heiligkreuz ob Schüpfheim, 1128 m
Schüpfheim um 17 Uhr
Schüpfheim
 
Der Akku des GPS zeigt noch 20 Prozent. Das ändert sich auch nicht, als ich beim Hof Tellenmoos an einem Viehzaun unfreiwillig Strom tanke. Singletrail, Teer, Singletrail, Escholzmatt. Hier schlägt die Kirchturmuhr sechsmal. Die tiefe Sonne hat längst keine Chance mehr, in diesem Talkessel Licht zu spenden. Ich muss mich beeilen, nicht nur wegen des GPS-Akkus. Der Bahnübergang in Escholzmatt ist natürlich prompt geschlossen. Anschliessend nutze ich die wohl letzte Gelegenheit, mich nochmals zu verfahren. Dann erreiche ich Wiggen. Jetzt gebe ich Gas und bike der Ilfis, später der Emme entlang. Es gilt, das restliche Tageslicht auszunutzen. Ausser ein paar Dunkeljoggern begegne ich kaum noch jemandem. Bei Ramsei ist es endgültig Nacht, das Licht muss ran...

Die Lueg lasse ich heute aus, fahre stattdessen bis vor die Tore Burgdorfs und nehme dort die letzte erwähnenswerte Steigung des Tages in Angriff über die Egg zum Kaltacker. Hier sieht man schön über die Lichter der Dörfer zum Jura. Fahren bei Nacht ist zwar ganz cool, aber bitte nicht länger als zwei Stunden. Auf der restlichen Strecke mache ich keine Experimente mehr. Über Bickigen, Wynigen und Steinhof erfolgt das Ende des Nachtspiels. Zu Hause zeigt der GPS-Akku 0 Prozent, das Gerät läuft aber noch. Viele schöne Eindrücke habe ich heute gewonnen, dabei aber auch einige unschöne Ausdrücke verloren – insbesondere bei den zahlreichen kleinen Irrfahrten. Diesen Hammertag habe 120 Prozent ausgenutzt. Den GPS-Akku zu mindestens 101 Prozent...


Höhenprofil

 

Tourdaten: Weite 169,9 km / Höhe 3220 m / Fahrzeit 10:15 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Glaubenbergpass-Sewenegg