Mittwoch, 11. April 2018

Im (fast) schönsten Dorf der Schweiz

Die heutige Tour führt mich in einen Ort, der letztes Jahr Finalist im Rennen um den Titel des schönsten Dorfes der Schweiz gewesen ist. Eine Gegend, wo ich letztmals am 5. September 2009 war und mich kaum auskenne. Nicht unbedingt den Weg des geringsten Widerstands, sondern eine ziemliche Berg- und Talstrecke habe ich mir ausgesucht. Zuerst geht es in der Direktvariante über den Lindenpass nach Kleindietwil und später an Huttwil vorbei Richtung Wyssachen. Via Belzhöhe umgehe ich danach Eriswil und mache mich auf den teils recht steilen Weg zum Ahorn...

Schön, wenn auch nicht wolkenlos präsentiert sich das Wetter. Die Verhältnisse sind trotz des gestrigen Regens recht trocken. Hoffentlich bleibt es so, denn: C'est le Föhn qui fait schön. Richtiges "Gringweh-Wetter" für alle Wetterfühligen. Ich passiere das Restaurant Ahorn und fahre ein paar Kilometer auf der Höhe Richtung Scheidegg. Ich bin in Gedanken versunken, fahre auf Autopilot. Unterwegs öffne ich irgendwo ein Gatter, passiere und schliesse es, und sorge damit für eine gewisse Erheiterung einiger Leute, die dort beim Picknick sitzen. Einen Meter rechts des Gatters wäre nämlich offen gewesen. Nebenwirkungen des Autopilots...

Eriswil, Belzhöhe
Unterwegs ob Eriswil
Ausblick beim Ahorn
Beim Ahorn
Trail zwischen Ahorn und Scheidegg
Zwischen Ahorn und Scheidegg
 
Nur wenige Meter, bevor ich in den Downhill zum Weiler Krutzi bei Luthern einbiegen will, erreiche ich eine Absperrung wegen Holzschlags. Das darf jetzt aber nicht wahr sein! Mit Zeichensprache gibt mir ein Traktorfahrer zu verstehen, dass ich geradeaus passieren dürfe. Schwein gehabt. Unmittelbar nach der Absperrung biege ich links ab. Auf für mich unbekanntem Terrain geht es zu Beginn steil hinab zur Hirsenegg, dann ganz runter zum Weiler Krutzi, der etwa drei Kilometer südlich von Luthern liegt. Sofort folgt die nächste nicht sehr lange, aber kurzzeitig recht steile Steigung Richtung Grausberg...

Kurz an der 1000er-Höhenlinie gekratzt, und schon kommt der nächste Downhill – leider gegen Ende mangels Alternative auf Teer. Nun befinde ich mich wieder in einem (namenlosen?) Tal, ziemlich genau in der Mitte zwischen dem Napf und Hergiswil LU. Keine Verschnaufpause: Rasch geht es erneut bergauf, diesmal Richtung Oberwaldegg und Oberlehn. Letzteres ist mit gut 1100 m ein sehr schöner Aussichtspunkt. Das rund 35 Kilometer entfernte Oensingen mit dem Schloss Neu Bechburg ist von hier aus jedenfalls problemlos zu sehen. Und vieles mehr natürlich. Es folgt eine kurze Abfahrt nach Menzberg...

Weiler Krutzi bei Luthern
Abfahrt nach Krutzi
Ausblick beim Grausberg
Beim Grausberg
Menzberg
Menzberg
 
Mittlerweile haben es einige Wolken über die Berge geschafft und trüben leider die Sicht Richtung Süden. Nach Norden und Osten zu ist es hingegen recht klar. In der Tat ist Menzberg ganz schön (ab)gelegen. Die Gegend hier ist durchaus ein Mountainbike-Hotspot. Ins Dorf selber scheinen sich allerdings nicht allzu viele Radler zu verirren. Das liegt womöglich daran, dass es eine Art "Sackbahnhof" ist. Die Zufahrtsstrasse von Menznau bzw. Willisau verliert sich hier in einigen Stichstrassen. Ich kann mir vorstellen, dass die Abfahrt mit dem Rennrad nach Willisau ganz nett sein könnte. Schön lang jedenfalls...

Nach kurzer Pause wende ich das Bike um 180 Grad und fahre einige Kilometer den gleichen Weg zurück nach Oberwaldegg, wo ich Richtung Chrothütte abzweige. Ein kurzer, aber cooler Singletrail führt hinab zur Fluehütte am Fusse des Napfs. Obwohl oder gerade weil der Napf der klare Wander- und Mountainbike-Hotspot der Region ist, hat mich noch keine meiner bislang 1527 Biketouren dorthin geführt! Ich werde das allerdings gelegentlich nachholen. Jedoch nicht heute. Stattdessen nehme ich eine kurze Gegensteigung, die auf 1036 m endet. Hier geht der Wanderweg in einen Singletrail über, den ich vage kenne (bzw. kannte)...

Kapelle Girislehn bei Menzberg
Kapelle bei Menzberg
Kirche von Menzberg
Menzberg, dahinter das Mittelland
Beim Aussichtspunkt Oberlehn
Beim Oberlehn
 
Nur gut einen Kilometer lang ist er, dennoch habe ich mich schon die ganze Tour darauf gefreut. Leider vergebens. Hier hat der Scheisssturm vom 3. Januar (diesmal unterdrücke ich das Fäkalwort nicht) anscheinend wieder mal seiner Freude vollen Lauf gelassen. Ein Weg ist höchstens noch zu erahnen, vor allem im ersten Abschnitt. Die zweite Hälfte ist dann mit einigen Hindernissen wenigstens noch teilweise fahrbar. Burglind, dummes Kind. Wenig später kreuze ich beim Grausberg nochmals meinen Anfahrtsweg, dann geht es über die Lutermatt...

Hier verläuft die Strecke einige Zeit auf einem Kiesweg, später folgen auch ein paar schöne Trails, die oberhalb von Luthern zum Kreuzstiegen führen. Diesen kleinen Pass, der Luthern mit Hergiswil LU verbindet, überquere ich Richtung Norden. Beim Weiler Buchwald folgt der Downhill nach Hofstatt, dann der Aufstieg zur Älbechegg. Mittlerweile ist es stark bewölkt. Möge der schwächelnde Föhn bitte noch etwas durchhalten. Ich fahre am Oberfranzhüsli vorbei und passiere kurz darauf im Wald unauffällig die Grenze zum Kanton Bern. Es folgt die Abfahrt nach Eriswil. Ungeplant muss ich hier etwas einkaufen...

Ausblick beim Oberlehn
Oberlehn, Blick Richtung Jura
Weg bei Untertannen ob Luthern
Trail oberhalb von Luthern
"Singletrail" beim Fäilimoos nahe Rohrbach
Fäilimoos bei Rohrbach

Den ganzen Tag habe ich noch nichts gegessen. Unnötige "Körper-Provokationsspielchen", die ich manchmal treibe. Grund: Unbelehrbarkeit. Nachahmung: nicht empfohlen. Mein Körper verfügt durchaus über einige Reserven, die er wegen der Zuführung zahlreicher Aktions-Osterhasen angelegt hat. Nach der Pause folgt eine kurze Steigung. Im Anschluss geht es über die Belzhöhe, dann runter nach Schwarzenbach und an Huttwil vorbei. Die leicht ausschweifende Rückfahrt über Rütschelen sorgt dafür, dass ich nochmals ein paar schöne Trails fahren kann, aber auch, dass es am Ende einen "Unfallhunderter" gibt...

Eine schöne und interessante Frühlingstour, die eigentlich als Herbsttour für 2017 geplant war. Das Wetter hat gehalten, die Bewölkung gegen Ende sogar eher wieder etwas abgenommen. Die Samschtig-Jass-Abrechnung am Schluss: 97 (Kilometer) angesagt, 101 gemacht. Differenz: 4...


Höhenprofil



Tourdaten: Weite 101,3 km / Höhe 2410 m / Fahrzeit 6:29 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Menzberg
 

Freitag, 6. April 2018

So einen Hals...

Heute soll uns ein Frühlingstag wie im Bilderbuch erwarten. Voller Vorfreude ziehe ich die Storen hoch und sehe Einheitsgrau. Ist das Bilderbuch etwa in Schwarz-Weiss? Entwarnung: Es ist nur Hochnebel, und der sollte zu dieser Jahreszeit nicht mehr allzu zäh sein. Deutlich zäher ist allerdings meine Erkältung: Sie nervt immer noch rum – weigert sich standhaft, mich in die Horizontale zu legen oder besser: endlich zu verschwinden. Zwischenzeitlich ist daraus wohl eine Art "Kunstwerk" aus Pollenallergie und verschleppter Erkältung geworden. Mein Hals fühlt sich jedenfalls so dick an wie der von Mike Tyson...

Eigentlich keine guten Voraussetzungen für eine Biketour. Eigentlich. Aus "logistischen" Gründen muss ich etwas früher starten als geplant. Das hat den Nachteil, dass ich den vollen Tagesgang der Temperatur zu spüren bekomme. Und der reicht heute von knapp unter 0 bis 17 Grad, was die Kleiderwahl interessant macht. Kurz nach 08.00 Uhr geht es los bei Werten um den Gefrierpunkt. Zum sprichwörtlichen Aufwärmen fahre ich zuerst über den Steinhof, etwas später folgt der Aufstieg Richtung Affoltern. Der Hochnebel zerfällt bereits zu Schwaden, die Fernsicht wird immer besser. Na also...

Nachdem Affoltern passiert ist, fahre ich über die Höhe der Hegenegg, dann talwärts nach Sumiswald, das ich über einen kurzen Singletrail erreiche. Wer den Bahnübergang beim Bahnhof Sumiswald-Grünen fahrend überqueren möchte, braucht gemäss Beschilderung eine schriftliche Ausnahmegenehmigung. Doch das kann dauern. Daher entscheide ich mich, das Bike ein paar Meter zu schieben. Die Temperatur weigert sich beharrlich, über 4 Grad zu steigen. Erst beim Weiler Haslenbach kann die Jacke endlich in den Rucksack. Jetzt beginnt ein teils recht steiler, aber problemlos fahrbarer Aufstieg Richtung Senggenberg...
 
Katze auf dem Baum
Baumkatze
Bahnübergang beim Bahnhof Sumiswald-Grünen
Schriftliche Ausnahmebewilligung...
Lüderenalp mit Chasseral am Horizont
Blick von der Lüderenalp zum Jura
 
Mit geplantem Murks fahre ich hinauf. Oder anders ausgedrückt: Ich mache hier ein bisschen Krafttraining und wähle bewusst einen etwas schwereren Gang. Mal schauen, wie es mit dem Humor meiner Beinmuskulatur bestellt ist. Ergebnis: Sie hat auch schon herzhafter gelacht. Nach dem Weiler Senggenberg wird die Steigung moderater. Schliesslich erreiche ich die Lüderenalp, wo beim aussichtsreichen Rastplatz auf 1201 m eine Pause angesagt ist. Schnee ist hier am Sonnenhang gar kein Thema mehr; sogar in Schattenlagen ist kaum noch Weiss auszumachen. Blühen tut hingegen auch noch nicht allzu viel...

Die Schneesituation erfordert die Pläne B bis K nicht, die ich vorsichtshalber einstudiert habe. Die Sonne hat immer weniger Konkurrenz am Himmel und scheint mit ordentlicher Kraft auf die noch blasse Haut, was man mit Sonnencrème und Vorsicht geniessen sollte. Es ist herrlich ruhig da oben. Einzig das Geräusch einer Kettensäge ist in weiter Ferne zu vernehmen, aber selbst das verstummt nach wenigen Minuten. Als ich genug aufgewärmt bin, nehme ich den Singletrail hinab zum Restaurant und fahre via Schuhhauser einen steinigen und selbstverständlich morastigen Weg runter in den Kurzeneigraben...

Es folgen wenige Hundert Meter Teer, und schon geht es auf schattigem, nassem Naturweg rauf Richtung Hinterarni. Die Lushütte ist heute kein Thema, dort oben liegt dann doch noch zu viel Schnee. Stattdessen biege ich auf halber Höhe plangemäss nach Norden ab. Ein unspektakulärer, aber schöner Weg führt über den Höhenrücken der Bisegg und des Länggrats, häufig auch mit Aussicht. Für reine Technikfreaks definitiv zu langweilig, für Geniesser aber gerade richtig. Allzu lange ist der Spass jedoch nicht. Nach etwa zwei Kilometern mündet der Weg in ein Teersträsschen, dem ich einige Meter folge...

Lüderenalp, Blick nach Südwesten
Lüderenalp
Blick beim Höchstall Richtung Vorderarni
Blick Richtung Vorderarni
Blick zum Jura bei der Bisegg
Bei der Bisegg
 
Schliesslich geht es einen bachbettartigen, steilen Karrweg hinab in den Hornbach – genauer: zum Weiler Fritzenhaus. Hier steht eine weltmeisterliche Käserei. Käser Michael Spycher wurde vor rund 10 Jahren in den USA Weltmeister! Und mit welchem Käse wird ein Emmentaler in Übersee Weltmeister? Mit Greyerzer natürlich (pardon: Le Gruyère). Aber lassen wir den Käse. Ein Zwischenstopp ist hier nämlich nicht geplant. Stattdessen fahre ich hinauf zum Schienberg und später über die Hornbachegg. Danach ist für heute fertig mit vierstelliger Höhe. Ein Downhill mit kurzen Gegensteigungen führt nun Richtung Dürrenroth...
 
Stall mit Mountainbike
Höchstall
Weg über den Länggrat
Länggrat
Hornbachegg mit Stall
Hornbachegg auf 1023 m
 
Ich fahre westlich an Dürrenroth vorbei und nehme nochmals etwa 150 Höhenmeter zum Weiler Chabisberg. Hier kann man wieder mit Aussicht über die Höhe fahren, bevor zum Schluss ein schöner Abstieg nach Kleindietwil führt. Nach der letzten (spürbaren) Steigung dieser Tour stehe ich auf dem Lindenpass und nehme die finale Abfahrt nach Thörigen. Am Schluss fühlen sich die Beine immer noch ganz nett an. Das Bindeglied zwischen Kopf und Rumpf hingegen rebelliert und sorgt dafür, dass ich trotz freundlich gestimmter Gliedmassen einigermassen platt bin. So ein schöner Tag und so einen Hals...

Auf der Anhöhe bei Wolferdingen
Bei Wolferdingen
Pferd mit Fohlen
Pferd mit Fohlen oberhalb Walterswil BE
Osterglocken
Osterglocken
 
Höhenprofil
 
 
 
Tourdaten: Weite 79,3 km / Höhe 2230 m / Fahrzeit 5:16 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Lüderenalp / Länggrat


Samstag, 24. März 2018

Halbe Kraft voraus...

Seit Tagen laboriere ich an einer Erkältung. Oder sie an mir. Immer wieder kratzt und niest es, und ich bin ziemlich platt. In die Horizontale legen konnte sie mich bis jetzt zwar noch nicht, allerdings musste ich vor etwa einer Woche einen Matchball abwehren – in Form einer Migräne. Und die Partie ist immer noch am Laufen. Es ist aber auch ein Unding, wenn einem die Leute im Zug ins Genick husten. Nur weil sich einige eine Erkältung holen, heisst das doch nicht, dass sie mir eine mitbringen sollen. Es geht mir also wie dem Frühling: Der kränkelt auch...

Heute kann jedoch ein absolut faszinierendes, äusserst seltenes Phänomen am Himmel beobachtet werden: Es hat kaum Wolken. Also sofort raus. Wer weiss, wie lange das anhält. Wohin an einem sonnigen Samstag, wenn einem nicht allzu wohl ist, auf vierstelliger Höhe noch Schnee liegt, man zur Erholung aber trotzdem ein bisschen Höhenluft schnuppern möchte? Oberflächlich betrachte ich die Landeskarte und fahre dann mal los. Mit einem bestenfalls So-lala-Gefühl fahre ich zur Lueg hinauf. Die Sonne macht vieles erträglicher...

Ein Cousin, der mich beim Aufstieg zufällig kreuzt, sollte mir später sagen, er hätte meinen Gesichtsausdruck nicht eindeutig Freud oder Leid zuordnen können. Und in der Tat ist es wohl beides. Freudiges Leiden, erlittene Freude oder was auch immer. Nach der Lueg passiere ich Affoltern, dann geht es über die Höhe zur Neuegg und schliesslich hinab. In Schattenlagen liegt noch etwas Schnee. Auch mein Autopilot versagt: Plötzlich stehe ich mitten in Sumiswald, obwohl ich meinen Heimatort eigentlich umfahren wollte...

Etwas anders als vorgesehen nehme ich die Steigung zum Hof Harisberg und fahre wenig später auf einem steinigen, aber recht breiten Weg hinab zum Weiler Chramershus im Heimisbach. Es folgt eine weitere Auffahrt, deren Belag nach dem Hof Felben von Teer auf Naturstrasse wechselt. Die Wege sind nass und ziemlich morastig. Aber wenn man ständig Schritttempo fährt, kann man das schöne Wetter viel länger geniessen. Ab und zu hat es auch einige Schneefelder, die jedoch problemlos fahrend passiert werden können. Der Blick rüber zur Lüderenalp bestätigt: Gut, bin ich hier und nicht dort...


Chramershus
Chramershus
Einsamer Baum auf einer Wiese
Einsamer Baum bei Oberrotebüel
Emmentaler Hügellandschaft
Ausblick Richtung Jura nahe Geilisgut

Ich fahre ein bisschen über die sanften Hügel oberhalb des Heimisbachs, wo ich beim Fluhhüsli auf bescheidenen 1007 m den höchsten Punkt der Tour erreiche. Beim Leimboden geht es wieder abwärts. Der sehr kurze "Singletrail" auf dem Downhill ist einmal mehr à la Emmental: etwa 30 cm! Allerdings in der Tiefe. In der Breite erreicht er mindestens das Zehnfache. Morastspur würde ich das nennen. Auf der restlichen Abfahrt fliegt mir dann die braune Sosse um die Ohren. Na ja, wenigstens ist sie nicht aromatisiert. Soll heissen: Sie ist nicht unmittelbar tierischen Ursprungs...

Mit brauner Kleidung und einigen Kilos mehr am Bike lande ich wenig später in Thal im Heimisbach und nehme nach kurzer Gegensteigung die Fahrt zum Schloss Trachselwald unter die Stollen. Es ziehen ein paar Wolken auf. Sie sind zwar noch harmlos, kündigen aber bereits die nächste Wetterverschlechterung an. Wird auch Zeit, wir wollen es ja schliesslich nicht übertreiben mit dem Sonnenschein. In meinen Beinen hat hingegen der (saure) Regen schon eingesetzt. Ein Wiesentrail führt mich hinunter nach Adelboden, einem Weiler, der freilich nichts mit dem Ort im Berner Oberland zu tun hat...


Sumiswald von der Harendegg aus
Harendegg, Blick nach Sumiswald
Schloss Trachselwald
Schloss Trachselwald
Innenhof Schloss Trachselwald
Innenhof Schloss Trachselwald

Mit ein paar Verrenkungen geht es diesmal an Sumiswald vorbei nach Weier und dann hinauf nach Affoltern. Über die Otterbachegg und die Wäckerschwend nehme und gebe ich mir den Rest zugleich. Physisch hat sich das einigermassen suboptimal angefühlt heute. Deutlich angenehmer und auch nachhaltiger ist hingegen das Gefühl, alle bisherigen 10 Sonnenstunden des März 2018 ausgenutzt zu haben...


Höhenprofil

 
 
Tourdaten: Weite 76,1 km / Höhe 1680 m / Fahrzeit 4:48 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Heimisbach-Fluhhüsli


Mittwoch, 14. März 2018

Total auf den Hund gekommen...

Scheint da draussen etwa schon wieder die Sonne? Erst vor zwei Wochen hatten wir doch dieses aussergewöhnliche Naturspektakel. Und es soll erneut einen ganzen Tag lang anhalten! Lassen wir die Ironie. Die Natur kann das Wasser brauchen, sagt man. Und ich das Sonnenlicht. Diesen Tag gilt es unbedingt auszunutzen. Nachdem es gestern bis unter 1000 m geschneit hat, sind Höhen über 800 m tabu. Morast mag ich gar nicht – nicht nur, weil man davon dreckig wird. Ich nehme mir eine klassische März-Tour vor. Nichts Spektakuläres, einfach mal ein paar unbekannte Wege und Orte abklappern. In der Hoffnung, es möge da draussen noch ein wenig abtrocknen, warte ich bis zum Vormittag und starte dann mit dem "normalen" Bike Richtung Osten...

Nach den vielen Fatbike-Touren der letzten Zeit fühlt es sich ziemlich ungewohnt an mit den dünnen Reifen. Irgendwie nackt. Und quirlig. Kaum auf dem ersten Waldweg, versaufe ich schon in einer morastigen Traktorspur und überlege mir, das Bike um 180 Grad zu wenden. Wenn das schon so anfängt! Aber der Tag hat Potenzial, also weiter. Meine Haut scheint heute etwas dünn zu sein und sollte im weiteren Verlauf noch deutlich mehr strapaziert werden – allerdings nicht wegen des Morasts. Ich disponiere leicht um, fahre in eher unüblicher Form nach Madiswil und von da kurzzeitig steil hinauf Richtung Gondiswil. Die Sonne versteckt sich hinter jedem Wölkchen, das sie findet. Kurz vor Gondiswil springt mir ein Hund über das offene Feld entgegen und kläfft mich wie gestört an...

Wo sein Herrchen (oder Frauchen) wohl sein mag? Man weiss es nicht. Wie gut, bin ich kein Reh. Sonst würde ich jetzt wohl gewildert. Schliesslich taucht Herrchen in der Ferne auf und nimmt den Hund zu sich. Sehr nett, danke. Nachdem bald darauf das Dorf Gondiswil passiert ist, geht es durch den Röstigraben (oder nennen wir ihn Rüüdiggraben) ins Luzernische. In der Tat bildet die Rot, die hier in einem kleinen Graben verläuft, die Kantonsgrenze. Es geht sofort wieder leicht aufwärts, über eine kleine Hochebene und wieder runter. In der Ferne sehe ich eine Ortstafel mit der Aufschrift "Zell LU", dann folgt die nächste Steigung. Nach einer teils morastigen Abfahrt fahre ich am Dorf Gettnau vorbei, bevor es auch schon wieder bergauf geht...
 
Landschaft bei Gondiswil
Ob Gettnau, Blick Richtung Wauwil
Weg durch die Allee bei Kastelen

Schliesslich erreiche ich mein Tagesziel, die Ruine Kastelen ob Alberswil, wo gleich zwei kläffende Hunde auf mich losrennen. Der erste heisst Leo, der zweite wird nicht namentlich genannt. Damit wäre mein Kontingent für heute bereits erreicht – und die Tour ist noch lang. Wie gut, habe ich keine Angst vor den Viechern. Aber für ängstliche Leute gibt es ja immer noch den beruhigenden Running Gag der Hündeler: Keine Angst, der will nur spielen (und zwar mit deinen Eingeweiden). Ich bin der grösste Tierfreund, den man sich vorstellen kann. Aber bei Hunden gibt es spektakuläre Ausnahmen. Insbesondere dann, wenn sie schlecht oder gar nicht erzogen sind, was wiederum eigentlich nicht deren Schuld ist. Dennoch gilt halt im Notfall das Motto: Fuss, sonst Schuh...

Die Ruine Kastelen kann bestiegen werden, was ich kurz tue. Besonders gross ist die Anlage nicht, aber es reicht bereits, um meine Höhenangst zu bestätigen. Ich mache ein paar Fotos und fahre dann mangels Alternativen ein Stück den gleichen Weg runter und kann somit nicht verhindern, dass Leo mich nochmals verfolgt. Und weit komme ich nicht: Schon beim Gehöft Oberwannern springt der nächste Hund um eine Hausecke und versetzt mir einen Schreck. Diesmal handelt es sich um Jumbo. Dann geht es gemäss Landeskarte einen "Singletrail" hinab. Dieser ist einige Meter breit und gleicht daher eher einer Wanderautobahn als einem Wanderweg. Unten wieder zwei Hunde, die mich aus einem Zwinger heraus wie gestört anbellen. Da ich sie nicht gesehen habe, erschrecke ich erneut...
 
Ausblick bei Kastelen
Im Innern der Burgruine Kastelen
Blick nach Alberswil und Ettiswil

Auf einem schönen Weg fahre ich der Luthern entlang Richtung Schötz (sprich: "Schöz"), dann folgt die Steigung Richtung Bodenberg. Hier oben ist alles friedlich: Ein paar Einzelhöfe, Kapellen, freundliche, güllende Bauern sowie schöne, einsame Wege. Einige dieser Wege sollten gemäss GPS gar nicht existieren und umgekehrt. Ich verliere etwas die Orientierung, muss das Smartphone zücken und die App von SchweizMobil bemühen. In diesem Moment erhalte ich eine Nachricht der Sportlerplattform Strava, ich hätte irgendeine Bestzeit verloren, von der ich nicht mal wusste, dass ich sie je hatte. Dementsprechend gross ist nun mein Schock. Aber als fairer Sportsmann gratuliere ich dem neuen Inhaber, auf dessen Profilbild ein E-Mountainbike zu sehen ist, herzlich zur Topleistung...
 
Burgruine Kastelen
Wallberg ob Schötz
Kapelle nahe Klausenhaus

Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie unendlich stolz einen solch sportliche Höchstleistungen machen können: Ist es mir vor drei Jahren doch tatsächlich gelungen, mit dem Zug Nino Schurter zu überholen. Doch zurück zu den Wurzeln und Steinen, zurück auf den Boden des Bodenbergs. Hier hat mich die App von SchweizMobil wieder auf den richtigen Pfad geführt. Auf einem erneut ziemlich breiten "Singletrail" geht es runter und durch den Zällerwald rasch wieder rauf. Als ich bei Schönenthül am bescheidenen höchsten Punkt der Tour aus dem Wald komme, erblicke ich in etwa 200 Metern Entfernung ein Bänkli mit Frauchen und Hund, der von dort wild kläffend angerannt kommt und mir seine wunderschönen, mit Frolic gepflegten Beisserchen zeigt. Jetzt reicht es mir aber!

Wenn das dem Köter nur hinterherschauende Frauchen jetzt noch einen der üblichen Sie-sind-selber-schuld-Sprüche bringt, wird das bei mir in etwa eine ähnliche Wirkung entfalten wie ein zündendes Streichholz im Wasserstofftank. Dann wird heftig zurück gekläfft. So viele unkontrollierte, unerzogene Köter habe ich noch nie auf einer Tour erlebt. Als ich am Frauchen vorbeigehe, zeige ich ihr ebenfalls meine mit Kukident gepflegten Beisserchen, während der Hund knurrend und bellend vor dem Bike hin und her springt. Frauchen sagt zum Glück gar nichts. Eine Entschuldigung erwarte ich nicht, ich bin Realist. Es sind noch rund 24 Kilometer zu fahren, aber ich ertrage jetzt keinen einzigen solchen Köter mehr. I'm totally fed up, sagt der Italiener...
 
Blick Richtung Schötz
Einsamer Weg ins (scheinbare) Nichts
Beim Bodenberg

Ich durchfahre Gondiswil und nehme wenig später eine mir unbekannte Abfahrt nach Madiswil. Dabei verbrenne ich nicht nur weiter Kalorien, sondern allmählich auch meinen Ärger. Und die Sonne hat mittlerweile die letzten Wolken verbrannt. Auf einem eingezäunten Feldweg bei Wyssbach wird es etwas eng, als der Bauer mit dem Traktor kommt, aber mit Bauch einziehen passt es gerade so. Der Mann bedankt sich und macht einen lockeren Spruch nach Emmentaler Art, wodurch sich meine Laune weiter bessert. Sie ist zwischenzeitlich wieder so gut, ich könnte glatt noch einen streunenden Kläffer ertragen. Darauf ankommen lassen möchte ich es allerdings nicht. Weniger gut fühlen sich derweil meine Atemwege an. Es kratzt ziemlich. Schon erste Anzeichen von Pollen oder eine Erkältung?

Mein ganzes Umfeld lag flach, während ich irgendwie drumherum gekommen bin. Bis jetzt. Nachdem Madiswil passiert ist, fahre ich kurz der Langeten entlang und dann via Rütschelen zum Sängeliweiher. Hier nehme ich noch ein paar "Haustrails". Nach dem Flugplatz Bleienbach, unmittelbar vor den Toren von Herzogenbuchsee, passiert es: ein freilaufender Hund. Nein, bitte nicht. Ich bin doch so nah am Ziel! Der Besitzer ruft ihn zurück und macht dem Tier Handzeichen, dass ich zuerst meine, er wolle ein Flugzeug einwinken. Doch es wirkt: Der Hund gehorcht, sitzt ab, und ich passiere dankend mit vorsichtigem Tempo Herrchen mit Hund. Mensch, so einfach könnte alles sein. Warum nur musste ich heute derart auf den Hund kommen?
 
 
Höhenprofil
 
 
 
Tourdaten: Weite 76,2 km / Höhe 1920 m / Fahrzeit 4:56 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Burgruine Kastelen
 

Mittwoch, 28. Februar 2018

Auf Winter-Abschiedstour...

Kaum zu glauben: Der äusserst trübe Februar 2018 verabschiedet sich doch tatsächlich mit schönem Wetter. Und den Blick auf die Prognose für die nächsten zwei Wochen sollte man einmal mehr vor dem Essen wagen, um dieses nicht gleich wieder herzugeben. Gestern versoff ich beim Althüsli in hohen Schneewechten, weil ich die ganze Situation da oben unterschätzt habe. Heute will ich zeigen, was ich daraus gelernt habe – nämlich gar nichts. Denn um es vorwegzunehmen: Auch diese Tour sollte nicht nach Plan A gelingen. Erneut sind einige Lagen Kleider nötig, um der Kälte zu trotzen. Um 09.00 Uhr fährt das bunte Michelin-Männchen mit dem dicken Fahrrad los. Minus 12 Grad sind es beim Start. Nanu, haben die Fasnächtler etwa völlig umsonst Konfetti rumgeschmissen?

Zwar liebe ich die Kälte, aber zu viel Liebe kann auch erdrückend sein und einem die Luft zum Atmen nehmen (Gruss, Rosamunde Pilcher). Und zu viel Winter-biking kann der Fitness abträglich sein. Allein im Februar habe ich schon über 700 Kilometer und 17'500 Höhenmeter mit dem Fatbike in den Knochen. Das ist too much, wie der Franzose sagt, wenn er des Englischen mächtig ist. Aber heute scheint die Sonne, es ist staubtrocken – mit einem Wort: perfekt. Und ich bin motiviert. Dieser wahrscheinlich letzte richtige Wintertag darf nicht ungenutzt verstreichen. Schon ab morgen soll es ja nicht nur März, sondern auch nass und deutlich wärmer werden. Der Schlechtwetterphase sehe ich jedoch nicht nur negativ entgegen, kann ich sie doch zur Regeneration nutzen...

Ich mache mich auf den Weg an die Aare, folge dieser eine Weile und nehme dann den Aufstieg zum Weissenstein. Die Passstrasse ist gegenwärtig für den motorisierten Verkehr gesperrt und die Schlittelbahn geschlossen. Gute Voraussetzungen. Kurz vor dem Einbiegen in die Strasse bin ich einen Moment unachtsam und mache einen Abflug. Dabei falle ich genau auf das linke Knie. Mit dem schmerzenden Knie relativieren sich die guten Voraussetzungen, um die steile Strasse hochzufahren. Immerhin ist diese im unteren Bereich meist trocken. Beim Nesselboden folgt eine eisige Passage, dann geht es auf schneebedeckter Fahrbahn weiter. Ich versuche dabei nicht zu viel an mein Knie zu denken...

Auf dem Weissenstein angekommen, bike ich der Langlaufloipe entlang, die über eine kleine Hochebene führt. Die Winterlandschaft ist herrlich und lässt die Knieschmerzen ein wenig vergessen. Erst als ich mich bücken muss, werde ich unsanft wieder daran erinnert. Die Datenqualität des teuren GPS-Geräts ist einmal mehr überragend: Die Passstrasse hat natürlich keine 22 Prozent maximale Steigung, sondern nur 1,8. Auf dem Weissenstein sind es selbstverständlich nicht minus 11 Grad, wie MeteoSchweiz behauptet, sondern plus 3. Und ich befinde mich hier oben nicht auf 1280 m, wie die Landeskarte einem einreden will, sondern auf 1360 m. Sicherlich trägt auch der Wetterwechsel dazu bei, dass die Höhenangaben mal wieder Schrott deluxe sind...

Jura-Hochebene im Winter
Weissenstein-Hochebene nahe Chänzeli
Verschneite Äste klammern sich an die Sonne
Als würde der Baum die Sonne festhalten...
Fatbike bei der Weissenstein-Langlaufloipe
Fatbike bei der Weissenstein-Langlaufloipe

Richtung Westen ist nämlich bereits das Ende des Winters am Himmel zu sehen – in Form aufziehender Warmfrontbewölkung. Als ich mit dem Fattie über die Hochebene flitze, riskiere ich mal einen scheuen Blick Richtung Röti. Kann ich da hochfahren, ja oder nein? Die korrekte Antwort sollte "jein" lauten. Auf den ersten Metern habe ich keine Chance, es rutscht und spult im vom Winde verwehten Schnee. Selbst zu Fuss ist es mühsam. Der zweite Teil ist mit etwas Murks fahrbar. Am Schluss des Aufstiegs muss ich auf der Wiese ein paar Kehrschlaufen fahren, um den Triangulationspunkt auf knapp 1400 m zu erreichen. Das Knie spüre ich zum Glück etwas weniger, oder aber das Adrenalin überdeckt den Schmerz...

Triebschnee auf dem Röti-Wanderweg
"Wanderweg" vom Weissenstein zur Röti
Verschneiter Baum mit durchscheinender Sonne
Ab morgen wird sich die Sonne klein machen
Winterlandschaft im Jura
Schöne Winterlandschaft
Eiszapfen an einem Stall
Vorhang aus Eiszapfen
Eiszapfen vor der Sonne
Die Schönheit des Frosts
Verwehter Schnee auf der Röti-Wiese
Aufstieg zur Röti, Schlussteil
 
Keine anderen Biker hier oben bei dem schönen Wetter? Wanderer? Skifahrer? Schneeschuhläufer? Nee, nix los. Stört mich nicht wirklich. Schneehöhe: zirka 10 bis 400 cm. Ein Markenzeichen dieses Winters, in dem es immer nur waagrecht geschneit hat. Die Kälte ist an der Sonne auszuhalten. Allerdings spürt man sie immer mehr, je länger man sich nicht bewegt. Schliesslich will ich zum Balmberg absteigen. Doch das sollte deutlich schwieriger werden als gedacht, obwohl ich gleich drei Pläne dafür habe: Plan A: Ich steige den steilen, mir unbekannten Singletrail hinab, der zur Bergstation des Skilifts führt und bike dann die Skipiste runter. Einen potenziell gefährlichen Weg ausgerechnet im Winter zu erkunden, ist natürlich absolut vernünftig...

Ausblick von der Röti auf Welschenrohr
Blick auf das schneefreie Welschenrohr
Verschneite Jura-Landschaft
Verschneite Landschaft bei der Röti
Blick durch verschneite Bäume ins Tal
Abstiegsversuch von der Röti
Zugeschneiter Wanderweg bei der Röti
Der im Winter gefährliche "Wanderweg"
Bikespur im Schnee
Wiesenabfahrt von der Röti
Stall mit Eiszapfen zwischen Röti und Weissenstein
Eiszapfen-Stall unterhalb der Röti
 
Also folge ich einer einsamen Schneeschuhspur, die vor einem Schild "ACHTUNG, im Winter gefährlicher Weg! Nicht begehbar!" um 180 Grad dreht. Der mit Adrenalin vollgestopfte Fatbiker tut in einem Anflug von Vernunft dasselbe. Es folgt somit Plan B: Ich fahre zurück Richtung Weissenstein und nehme den Trail weiter unten, den ich im Sommer häufig fahre. Dort angekommen, stelle ich fest, dass auch dieser Weg wegen hoher Schneewechten zu gefährlich ist. Auch ohne Warnschild. Nun kann ich die Skipistenfahrt leider abhaken und muss zu Plan C greifen: dem "normalen" Wanderweg zum Balmberg. Dazu fahre ich noch ein paar Meter durch den Tiefschnee hinab, um dann ein Déjà-vu haben: auch hier ein Schild mit der Aufschrift "ACHTUNG, im Winter gefährlicher Weg! Nicht begehbar!"...

Ich probiere kurz, kehre aber rasch um. Es ist mir definitiv zu heikel. Wenn ich hier seitlich den Abhang abrutsche und liegen bleibe, kann ich vielleicht noch als Bike-Ötzi Karriere machen, sollte man mich in einigen Hundert Jahren finden. Na ja, lassen wir die Übertreibungen. Rauf war kein Problem, aber wie komme ich jetzt zeitig runter? Um 19.30 Uhr habe ich noch ein Date mit Peach Weber. Eine nordseitige Abfahrt kommt genauso nicht in Frage wie der schlecht erhaltene Downhill-Trail oder gar die Passstrasse nach Oberdorf. Ich liebäugle kurz mit dem Schilizmätteli-Downhill beim Hinteren Weissenstein, entscheide mich jedoch für einen mir unbekannten Singletrail, der in den Schofgraben hinabführt. Diesen wollte ich im Sommer mal erkunden, nur leider kam es nicht mehr dazu...

Als recht steil, aber dennoch nicht besonders gefährlich schätze ich ihn nach kurzem Blick auf das GPS ein. Ich folge wieder einer Schneeschuhspur, die zwar das steile Downhillen bzw. Downsnowen in die Schlucht nicht gerade erleichtert, mir aber immerhin grob den Weg weist, den man im Schnee ja nirgends sieht. Und das GPS hat in diesem Gelände einige Schwächen. Als die Spur auf halber Höhe links abbiegt, muss ich den Trail alleine zwischen den Bäumen suchen. Meine Güte, hier unten kommt definitiv kein Briefträger mehr! Schliesslich erreiche ich in der ziemlich dunklen Schlucht den gefrorenen Schofbach, überquere diesen und muss danach noch ein paar Hundert Meter leicht bergauf fahren. Schlussendlich komme ich bei der Talstation des Bödeli-Skilifts wieder ans Tageslicht... 

Spur im Tiefschnee
Zurück beim Weissenstein
Gefrorener Bach im Schofgraben
Schofbach auf rund 1000 m ü. M.
Blick aus dem Skilifthäuschen beim Bödeli
Talstation Skilift Bödeli beim Balmberg
 
Der Balmberg ist erreicht; ich bin froh, hier zu sein. Der spontane Plan D musste es richten. Und er war sogar ganz passabel. Wie naiv ich doch sein kann. Eigentlich weiss ich genau, dass hier viele Wege im Winter meist unpassierbar sind. Und im Waagrecht-Schnee-Winter 2017/18 sind sie es sowieso. Die anschliessende Fahrt vom Balmberg über den Stierenberg sowie die Abfahrt Richtung Hofbergli sind dann wieder wunderbar und versöhnlich. Schnee hat es hier zwar nicht mehr so viel. Trotzdem bin ich froh, das Fattie unter dem Hintern zu wissen. Nach dem Hochkreuz verlasse ich ziemlich rasch die vierstellige Meereshöhe und somit auch den Schnee und fahre auf trockenen Pfaden hinab Richtung Attiswil und Wiedlisbach...

Auf dem restlichen Weg baue ich auch noch ein paar Trails ein, die, sollte die Langfrist-Wetterprognose zutreffen, bis nach Ostern nicht mehr trocken sein werden. Erst nach 17.00 Uhr geht die 22. Tour des Jahres zu Ende. Mein Date mit Peach Weber ist zum Glück nicht gefährdet. Das hätte er mir nie verziehen. Am heutigen Tag geht pünktlich mit dem meteorologischen Winter auch die kurze Kälteperiode zu Ende, die einige Sitzheizungsdegenerierte doch tatsächlich zu absurden Vergleichen mit dem Jahrhundertwinter 1962/63 hat hinreissen lassen. Mal sehen, was der Frühling bringt. So langsam freue ich mich auf ihn. Auch wenn man ihm als Erstes womöglich gleich das miserable Märzwetter wird verzeihen müssen...


Höhenprofil (ungenaue Daten)



Tourdaten: Weite 63,2 km / Höhe 1760 m / Fahrzeit 5:00 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Weissenstein-Röti